Craquele-Bildung an historischen Glasmalereien und Farbverglasungen
gefördert durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Projekt:
Untersuchung vonspeziellen Schadphänomenen, wie dem Craquele und seiner Entstehung an historischen Glasmalereien und Farbverglasungen speziell des 19. Jahrhundert
Entwicklung von spezifischen Festigungsverfahren
Laufzeit:
2001 - 2003
Ziel und Anlass des Vorhabens:
Für den Glanz repräsentativer Bauten verschiedener Epochen haben farbige Glasfenster eine hohe Bedeutung. Im Mittelalter waren sie ein herausragendes Architekturelement. Die technologischen Möglichkeiten in dieser Zeit erlaubten es nicht, Gläser mit hohen Schmelztemperaturen herzustellen. Der Sio2-Gehalt lag bei 45 - 55 %, der Alkalianteil deutlich über 20 %, Cao konnte ebenfalls bis über 25 % enthalten sein - diese Gläser sind sehr korrosionsanfällig.
Im Zusammenhang mit der Untersuchung und Konservierung craquelierter Gläser wurden im Sommer 2003 die zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr in der Oesterbehringer Kirche eingebauten Glasmalereien aus dem ehemaligen Schloss in Behringen untersucht. Es erfolgte die Nachuntersuchung der craquelierten Gläser in Hinblick auf das angewendete Festigungsverfahren und eine Überprüfung der Korrosionsstadien.
Des Weiteren wurden in der Predigerkirche in Erfurt zwei Felder der mittelalterlichen Ornamentverglasung ausgebaut. In der anschließenden Untersuchung wurden die craquelierten Gläser des Bestandes nach ihrem Erscheinungsbild in einen Schadenskatalog eingeordnet (textliche und bildliche Erfassung). An ausgewählten Gläsern erfolgte eine Festigung des Craquelés. Ebenso wurde die Entwicklung des Schadensbildes und das Erscheinungsbild der Festigung überprüft.
Im 18. Jahrhundert wurde u.a. ein Glastyp mit etwa 66 % Sio2, hohem Alkalianteil (Na2o + K2O > 20 %) sowie geringem Erdalkalianteil (CaO + MgO ca. 5 %) hergstellt.
Bei mittelalterlichen Glastypen findet die Auslaugung in oberflächennahen Bereichen statt, entstehende Gelschichten bilden eine horizontale Grenzschicht zwischen Glas und Umgebung. Auf den Außenseiten bilden sich dicken Krusten von Korrosionsprodukten. Während der leicht wasserlösliche Syngenit im Laufe der Zeit ausgewaschen wird, führt der verbleibende Gips zu starken Transparenzeinbußen.
Bei den Gläsern des 19. Jahrhundert mit Craquelè wird nicht nur eine horzontale Gelschicht ausgebildet, sondern die Auslaugungszonen durchziehen das gesamte Glas. Dabei wird das Glasnetzwerk weitaus stärker abgebaut als bei mittelalterlichen Gläsern. Es kommt nicht nur zum schollenförmigen Abplatzen der horizontalen Gelschicht, sondern auch zu Rissen durch den gesamten Glaskörper hindurch. Korroionsbeläge finden sich nicht auf den Gläsern. Die Diffusion der Alkali- und Erdalkaliionen führt wegen des geringen Ca-Angebotes nicht zu schwer löslichem Gips als Korrosionsprodukt, sondern hauptsächlich zu leicht löslichen Na- und K-Sulfaten, die nicht auf den Außenseiten verbleiben. Auch der hohe Chlorgehalt des Glases kann zur Beförderung der Ionendiffusion beitragen.
Die durch das Glas verlaufenden Gelschichten können ein solches Rissnetz entwickeln, dass es zu Totalverlusten kommt.
Restauratorische Maßnahmen an mittelalterlichen Gläsern haben das Ziel, die Transparenz der Fenster wieder herzustellen. Gläser mit Craquelè müssen vor dem weiteren Zerfall bewahrt werden, ohne dass ihre Tranparenz stark beeinträchtigt wird.
Für die Fenster des Schlosses Behringen erfolgte an besonders geschädigten Gläsern eine Fenstigung mit Paraloid B72 sowie verschiedenen Ormocervarianten. Dabei wurde nicht nur eine Sicherung loser Oberflächenpartien angestrebt. Die Konsistenz der Festigungsmittel wurde so eingestellt, dass sie möglichst tief in die Risse der Gläser eindringen und auch im Inneren eine Stabilitätsverbsserung erreicht wurde.
Weiterführende Arbeiten im Jahr 2003 werden einen Eindruck zum Langzeitverhalten der Festigungsmaßnahmen vermitteln können.
Projektbeteiligte:
Projektleitung:
Dipl.-Rest. Kim Kappes
Beteiligte innerhalb der Fachhochschule Erfurt:
Kooperationszentrum für Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut
Ansprechpartner: Dipl.-Rest. Kim Kappes, Nicole Sterzing
Kooperationspartner:






