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Archäologisches Kulturgut und Kunsthandwerk

Das "Weimarer Modell"

Bedingt durch die Größe des Mitarbeiterteams der Weimarer Restaurierungswerkstatt sind seit Jahrzehnten Chancen gegeben, eine große Bandbreite der restauratorischen Bearbeitung auszufüllen. Seit 1952 gab es Beauftragungen für die Ausbildung von Museumstechnikern, Präparatoren und Restauratoren. Folgerichtig ist daher die Einbindung in die Fachhochschulausbildung Restaurierung in Erfurt. Das "Weimarer Modell" ist eine externe Spezialisierungsrichtung des Fachbereichs. Die ArchäologInnen und RestauratorInnen des Thüringischen Landesamtes für Archäologische Denkmalpflege sind als Lehrbeauftragte am Studiengang beteiligt.

Lehrinhalte sind vor allem die Konservierungs- und Restaurierungstechniken für Bodenfunde und kunsthandwerkliches Kulturgut.
Die Vielgestaltigkeit des Kulturgutes und seine verschiedenartige Materialbeschaffenheit setzen ein umfassendes Wissen über Funktion und Konstruktion der Objekte und vielfältige Kenntnisse der Materialeigenschaften und ihre Veränderungen durch Gebrauch und Korrosion voraus. Den Studierenden werden durch den Ausbildungsgang die Grundlagen für das restauratorische Berufsleben vermittelt, um naturwissenschaftliches und technologisches Wissen mit handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten sachgerecht für den Erhalt der ihnen anvertrauten Objekte nutzen zu können.
Primäre Aufgabe der Lehre ist es, die Studierenden zu befähigen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln, indem sie das Wissen um historische Herstellungsverfahren, moderne Untersuchungsmethoden, einen kritischen Einsatz neuer Konservierungsstoffe und die Anwendung innovativer Techniken verknüpfen.

Lydia Messerschmidt: Praxissemester in den Nationalmuseums of Scotland in Edinburgh

Archäologisches Kulturgut ist gekennzeichnet durch eine breite Materialpalette, immer in einem durch die Bodenlagerung bedingten Korrosionszustand. Zu den Materialgruppen gehören Stein, Knochen, Keramik, Holz, Leder, textile Materialien, Metalle, Glas, Elfenbein, Harze, Schmucksteine, Perlen und Muscheln.
Bei kunsthandwerklichen Objekten ist die Materialpalette noch größer. Charakteristisch sind dabei auch die Materialkombinationen, die oftmals andere Behandlungsmethoden erfordern als die der Einzelkomponenten.

Die Ausstattung des Thüringischen Landesamtes für Archäologische Denkmalpflege und im besonderen der Weimarer Restaurierungswerkstatt trägt dazu bei, den Studiengang erfolgreich zu gestalten. Am Ende der Bau- und Sanierungsmaßnahmen im Jahr 1999 werden die Arbeitsplätze mit allen nötigen technischen Anschlüssen (Gas, Druckluft, Vakuum, Absaugung und Datenbearbeitung) versehen sein. Die Einrichtungen für photographische Sachaufnahmen, für den Einsatz von Röntgenstrahlen und für die Durch- und Auflichtmikroskopie mit computergestützter Bildbearbeitung stehen zur Verfügung und sind Grundlage für die Dokumentationen und die Objektauswertungen.

Die manuelle Bearbeitung archäologischer und kunsthandwerklicher Objekte kann auf verschiedene technische Möglichkeiten zur Entfernung von Auflagerungen, zur Beseitigung von Korrosions- produkten und zur Freilegung originaler Oberflächen ausgedehnt werden. Dazu zählen z.B. die Schleiftechnik mit Mikro- und Turbomotoren, die Feinstrahl- und die Ultraschalltechnik. Des weiteren sind die Ausstattungen für die Vakuumtränkung und –gefriertrocknung sowie die Wärmebehandlung vorhanden.
Für den Modellbau stehen verschiedene Geräte und Maschinen zur Verfügung. Der Formenbau und das Herstellen von Abgüssen aus mineralischen Materialien und aus Kunstharzen sowie mittels galvanoplastischer Methoden stehen für die Kopietechniken.


Hans-Joachim Leithner


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