Gärtner aus Not
Als sein Stiefvater im Sommer 1720 schwer erkrankte, kümmerte sich Reichart auf dessen Bitten um seinen Besitz. Bar jeglicher Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet des Acker- und Pflanzenbaus war er gezwungen, die zur Führung der Wirtschaft erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der täglichen Arbeit zu erwerben. Dabei halfen ihm seine gute geistes- und naturwissenschaftliche Bildung sowie seine Beobachtungsgabe.
Er schrieb die während der täglichen Arbeiten anfallenden Fragen auf und erörterte sie mit seinem kranken Stiefvater bis zu dessen Tode im Jahre 1722.
So entstand für ihn ein Handbuch des Acker- und Pflanzenbaus, das später auch Grundlage seiner Veröffentlichungen war. Hierbei offenbarte sich, wie ein Chronist schrieb, die "durchgeistigte und dabei durch und durch praktische Natur" des Christian Reichart. Mit ihr führte er den Besitz des Vaters und durch sein Vorbild auch den Gartenbau in Erfurt bald zu einer Intensität und Blüte, die Erfurt als Gartenbau- oder Blumenstadt nicht nur in Deutschland zu einem guten Ruf verhalf.
Seine Erkenntnisse machte er der Öffentlichkeit zugänglich. Zuerst war er an der Veröffentlichung des "Lebendigen Kräuterbuches" von Johann Kniphof beteiligt. Reichart sammelte dafür alle Kräuter und lieferte den Text für über 300 Abbildungen.
1745 gab er seine "kurzgefasste Historische Nachricht von denen bei der Thüringischen Hauptstadt Erfurt gelegenen sogenannten Dreyen Brunnen" heraus. Von 1751 bis 1772 erschienen "Die Abhandlungen von allerhand Samenwerk", seine 1. bis 4. Auflage des "Land- und Gartenschatzes" in sechs Teilen, die "Einleitung in den Garten- -und Ackerbau in zwei Teilen sowie seine "Gemischte Schriften". Fast erblindet veröffentlichte Reichart noch sein Lehrbuch über den Hopfenanbau im Jahre 1772. Reicharts Werke wurden auch in ganz Deutschland und in Europa bekannt.
Seine im Erfurter Dreienbrunnengebiet erprobten Grundprinzipien intensiven Gartenbaus auf der Basis der Gestaltung einer hohen Bodenfruchtbarkeit wurden und werden bis heute mehr oder weniger im Erfurter Gartenbau verwirklicht.
Die Erfurter Gärtner setzten ihrem großen Vorbild 1867 auf dem Platz zwischen Stadtgarten (Dahlbergsweg) und Gartenstraße ein Denkmal, das später dem Denkmal des Kaisers weichen musste. Heute steht es neben der Pförtchenbrücke im Park, unweit der Wirkungsstätte Christian Reicharts.
