Fachhochschule Erfurt

Startseite FHE

Seitennavigation

Springen Sie direkt zu einem der folgenden Seitenbereiche:


Auswahl Sprache, Layout und Schriftgröße


IBIT - Institut für bauwerksintegrierte Technologien

Hauptnavigation


Paper

„Ein Stück Heizung, bitte.“ – Eine Verständigungsmethodik zwischen Nutzer und Fachplaner zur gezielteren Entwurfsplanung

Agreeing Communications in Planning – How Users and Engineers Make the Most of It

Autor: Tobias Werner

Ausgangssituation:

Nach der Auswertung selbst durchgeführter Nutzerbefragungen und Interviews mit Fachplanern musste festgestellt werden, dass trotz existierender Ansätze, Gebäude nutzerorientiert zu planen – Stichworte z.B. „Integrale Planung“ (vgl. Rigg, Brinkmeier und Schramek, 2004) und „Integraler Planungsprozess“ (Löhnert, 2002) – oder zu bauen (u.a. Forschungsprogramm „Haus der Zukunft“ in Österreich), der zukünftige Gebäudenutzer in der Praxis nach wie vor nur unzureichend in den Planungsprozess integriert (z.B. Büronutzer vs. Bauherr) wird. Die Ursachen für diese Unstimmigkeit sind sowohl in der hohen Interindividualität der Gebäudenutzer (Alter, Werte, Physiologie etc.) als auch in der hohen Individualität der Gebäude selbst (Standort, Ausrichtung, Alter, Bauweise, Gebäudetechnikkonfiguration etc.) zu suchen. Des Weiteren ist das
Planungsrisiko bei neuen Technologien nicht unerheblich. Selbst erfahrene Fachplaner verwenden unabhängig von den Nutzeranforderungen oftmals bekannte Standardlösungen. Diese erfüllen zwar die ihnen vorbestimmte Funktion, jedoch nicht den Anspruch des energieeffizienten Bauens.


Dieses Problem wurde im Rahmen des Wachstumskerns CBS - Customer Bautronic System (BMBF 03WKBD1B) aufgegriffen. Es erfolgten theoretische als auch empirische Untersuchungen zu Nutzeranforderungen an technische Gebäudeanlagen (TGA), deren Wechselwirkungen und die Auswirkungen verschiedener Anlagenkombinationen auf den Nutzer. Das Hauptaugenmerk lag auf der Erfassung und Abschätzung der technologischen Potentiale von Gebäudeanlagen, welche die Nutzer- und Kundenanforderungen an Gebäude insbesondere auch unter energetischen Gesichtspunkten befriedigen.

Lösungsansatz:

Jede gebäudetechnische Anlage hat unter dem Fokus von Nutzen, Kosten und
Nachhaltigkeit (NKN) eine spezifische Ausprägung. Diese kann man beispielsweise betriebswirtschaftlich in Euro und technisch in physikalischen Parametern darstellen. Bezogen auf den Nutzer lässt sich diese Betrachtung unter den gleichen Gesichtspunkten durchführen. Daher wurden die NKN-Werte als Schlüssel für das Zusammenführen der Nutzeranforderungen mit der Gebäudetechnik gewählt. Jedes Gebäude ist individuell, ebenso wie die Nutzeranforderungen. So wurde schnell deutlich, dass diese Betrachtungsweise nach NKN zu unspezifisch ist und wichtige Merkmale, die wegen ihrer Art eher als gegensätzlich zu betrachten sind, nicht unter einem gemeinsamen Wert in der jeweiligen Kategorie zusammengefasst werden können. Aus diesem Grunde ist die Bewertung der drei Kategorien (NKN) verfeinert worden, was dem hohen Anspruch der Nutzerintegration eher gerecht wird.

Auf Seiten der TGA wurde für die betrachteten Funktionen Heizen, Kühlen, Lüften, Beleuchten und Verschatten jeweils eine allgemeingültige Struktur geschaffen mit der alle bekannten und vor dem Markteintritt stehenden Technologien gleichermaßen abgebildet sowie heute noch unbekannte Technologien künftig ergänzt werden können.
Aufbauend auf dieser Struktur wurde eine Methode entwickelt, die die Technologien aus technischer und energetischer Sicht optimal zur Erfüllung der jeweils betrachteten Funktion miteinander kombiniert. Gemäß dem selbst gewählten Projektleitsatz – Aus der Praxis, für die Praxis – wurden ausgewählte Technologien von Experten gemeinsam bewertet. Hierbei wurden diese Technologien losgelöst von Gebäude und Einsatzort und unter dem Gesichtspunkt eines für die Technologie optimalen Einsatzes betrachtet. Mit Hilfe dieser Bewertungen konnten die oben genannten Werte des Schlüssels berechnet und erste Technologiekombinationen für die Zusammenführung mit den Nutzeranforderungen gebildet werden. Um die Aktualisierung und Ergänzung der Technologien zu ermöglichen und zugleich sicherzustellen, dass dies auf vergleichbarem Niveau des Basisdatensatzes stattfindet, wurde eine gesonderte Methodik entwickelt. Diese verhindert, dass Technologien durch eine falsche Bewertung einzelner Experten im Ranking steil aufsteigen und gewährleistet damit auch die Konsistenz der Bewertungsdaten. Ist sich die Mehrheit der bewertenden Experten bei den Schlüsselwerten einig, ist ein solcher Aufstieg im Ranking jederzeit möglich.

Auf Seiten der Nutzer wurden Befragungen zu Anforderungen und Ansprüchen an die TGA durchgeführt aus denen sich die Werte für den Schlüssel direkt ermitteln lassen. Durch statistische Auswertungsverfahren wurden  Nutzergruppen identifiziert, so dass künftige Nutzer nicht ausführlich befragt werden müssen, sondern mittels weniger Schlüsselitems zügig den ermittelten Gruppen zugeordnet werden können. Eine Rückkopplung der  Nutzeranforderung im Betrieb stellt die Aktualisierung der Nutzergruppen und zugeordneter Gruppenwerte sicher, da sich Ansprüche und Verhalten oftmals beim Bezug eines neuen Gebäudes ändern.
Schlussendlich wurde eine weitere Methode erarbeitet, mit der die  Nutzeranforderungen über den Schlüssel Nutzen, Kosten und Nachhaltigkeit mit der Gebäudetechnik zusammengeführt und für die Funktionen Heizen, Kühlen, Lüften, Beleuchten und Verschatten geeignete Technologiekombination  ausgewählt werden. Mit dieser ist es unter anderem auch möglich,  Kombinationen, die die gestellten Nutzeranforderungen in einzelnen oder allen Kategorien übererfüllen, sortiert auszugeben. Existiert keine den gestellten Nutzeranforderungen entsprechende Kombination, dann wird diejenige vorgeschlagen, deren Schlüssel diesen Anforderungen technologisch und  energetisch am ehesten entspricht.

Ergebnis:


Die vorgestellte Methodik, umgesetzt in einem Tool, soll den Fachplaner bei seiner Arbeit unterstützen, indem die Anforderungen der Nutzer in energetisch optimale und technologisch abgestimmte Anlagenkombinationen übersetzt werden. Die Aufgabe des Fachplaners ist weiterhin, die Kombinationen auf ihre Verwendung am realen Objekt und Einsatzort zu prüfen, nach Abstimmung mit dem Nutzer zu dimensionieren und für seine operativen Forderungen auszulegen. Der Planungsaufwand für die Variantenvielfalt des (Vor-)Entwurfs wird dadurch minimiert, dass Nutzer dank dieser Methodik ihre Anforderungen technisch, für den Fachplaner verständlich(1), konkretisieren können. Daher werden von ihm nur die Kombinationen in Betracht gezogen, die den Nutzeranforderungen auch genügen.

Des Weiteren reduziert das Tool durch aggregierte Expertenurteile und -bewertungen das Planungsrisiko und auch Planungsfehler für neue Technologien bei auf diesem Gebiet weniger erfahrenen Planern. Es soll in Konsequenz auch erfahrene Fachplanern dazu ermuntern, von den bekannten
Standardlösungen – die zwar die ihnen vorbestimmte Funktion erfüllen, jedoch nicht immer die Nutzeranforderungen – abzuweichen und das energieeffiziente Bauen zu fördern.


(1) Bisher oft: „Ein Stück Heizung, bitte.“

Literaturverzeichnis:
Löhnert, G., Dalkowski, A. & Schuler, M. (2002). Leitfaden zum integralen Planen solar optimierter Verwaltungsgebäude: Verbundprojekt Solarbau Förderkonzept TK3/IEA TASK 23.
Rigg, R., Brinkmeier, C. & Schramek, P. (2004). LuZie – Lebenszyklusbezogene
Einbindung der Zielplanung und des Zielcontrolling in den Integralen  Planungsprozess, Teilvorhaben LuZie 2 (Intep): FIA Forschungs-Informations-Austausch. München: Intep Integrale Planung.

Kontakt

Fachhochschule Erfurt
Fak. Gebäudetechnik und Informatik
IBIT

Altonaer Straße 25
99085 Erfurt

Tel. 0361 - 6700 779
Fax 0361 - 6700 780

Projektleiter:  
Prof. Dr.-Ing. Michael Kappert

Ansprechpartner:
Tobias Werner
Uwe Röther

 

Laufzeit und Zuwendung

01.04.2007 bis 31.03.2010

778.580 €

 

 

Projektträger

 

 

Gefördert durch:


© 2007-2015

www.fh-erfurt.de/index.php?id=3666

 

OK

Hinweis
Diese Website verwendet (essentielle) Cookies. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung