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Erfahrungsbericht 2007/08

Nachdem wir uns mehr als ein halbes Jahr durch Berge von Anträgen und Formularen gekämpft hatten, hieß es für uns ab September 2007, ein Semester leben und studieren in Shanghai.

Eine spannende Vorstellung, sind die Nachrichten doch voll mit Beiträgen über China. Endlich die Gelegenheit, sich sein eigenes Bild von China zu machen, sind es doch die Medien die sonst unsere Meinung darüber bestimmen.

Rückblickend eine Entscheidung, die zu unserem persönlichen und professionellem Fortschritt immens beitrug.

Wir kannten fast Niemanden, der sich der Faszination China entziehen konnte. Aber erstaunlicherweise, hat man es zu Beginn für unmöglich gehalten.

Der erste Monat stellte eine große Herausforderung für uns dar. Bei Anmeldungen im Wohnheim oder Internet verstanden wir nichts und wurden auch nicht verstanden, wir wussten nicht was wir im Restaurant bestellen sollte und hatten wir dann was, hungerten wir trotzdem, weil die Stäbchen nicht so recht wollten. Wir konnten nicht lesen wo der Bus hin fuhr oder erahnten nur, was wir im  Supermarkt eigentlich gerade kauften.

Der Unterricht an der School of Economics and Management (SEM) teilte sich in acht Stunden Wirtschaftskurse (z.B. Theories of Management, Trade Policy, Finance and Accounting) und dieselbe Anzahl Chinesischstunden pro Woche. Die Lehrer waren engagiert, orientierten sich aber ausschließlich an amerikanischen Lehrmitteln. Der Unterricht erfolgte auf Englisch und in kleinen Klassenräumen, so dass man gar nicht von Vorlesungen sprechen mochte. Die Noten setzten sich aus vielen kleinen Teilbewertungen zusammen. Hausaufgaben, Vorträge, Hausarbeiten, Anwesenheit und Beteiligung waren die einzelnen Kriterien. In unbeheizten Räumen fiel es schwer, dem Unterricht zu folgen.

Besonders ungewöhnlich war auch, zu Weihnachten im Klassenraum zu sitzen. Anwesenheit ist vorgeschrieben und wurde jede Stunde kontrolliert.

Unsere Chinesischstunden haben sehr schnell zu Ergebnissen geführt. Zusammen mit den Kenntnissen, die wir uns mit einem Selbstlernset im Voraus angeeignet hatten, waren wir bald in der Lage, Basissätze zu formulieren. Das Erlernen chinesischer Schriftzeichen gehörte zum Unterricht und ermöglichte es uns in den Straßen und den Speisekarten zu lesen. Ein unglaubliches Gefühl, denn das hätten wir nie für möglich gehalten.

Wir wohnten auf dem Siping Campus, eine halbe Stunde vom Bund entfernt. Unsere Zimmer entsprachen unserem gewohnten Standard und waren mit Balkon und Badewanne fast perfekt ausgerüstet. Nachdem wir sogar einen Boiler erhielten, wussten auch wir den Luxus von durchgängig warmen Wassers sehr zu schätzen.

Mit vier Mensen waren wir immer gut und günstig versorgt. Auch in Campusnähe gibt es unzählige Restaurants. Westliche Restaurants und Cafés (auch auf dem Campus), Fast-Food-Ketten und internationale Supermärkte sind vor Ort, wenn man mal wieder westliches Essen vermisst.

Dadurch, dass wir am Campus wohnten, bekamen wir das Leben der chinesischen Studenten unmittelbar mit. Es unterscheidet sich sehr vom europäischen Studentenleben. Der hohe Konkurrenzdruck lässt den Studenten außer Lernen keine Freizeit. Spät abends Amüsieren, Verreisen, oder etwa ein Bad oder eine Heizung im Zimmer zu haben, ist für chinesische Studenten unvorstellbar.

 

Wir empfanden es als schwierig, Kontakt zu chinesischen Studenten aufzubauen. Es lag zum einen daran, dass wir nur mit internationalen Studenten unterrichtet worden und wir im internationalen Studentenwohnheim wohnten.

Oft zieht man die Blicke auf sich oder man bringt die Chinesen mit seiner Anwesenheit so in Verlegenheit, dass sie nur noch kichernd um einen herum stehen.

Schafft man es dann endlich, dass ein Gespräch zustande kommt, waren die Unterschiede zwischen beiden Kulturen oft so groß, dass wir nicht das Gefühl hatten, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Der Umgang der Chinesen untereinander ist durch eine Vielzahl an Regeln bestimmt. Das Gefühl, ständig ins nächste Fettnäpfchen zu stapfen und nie zu wissen, was sie jetzt wirklich denken und ob man sie zufrieden stellt, verunsichert sehr. Man sollte sich im Voraus unbedingt die wichtigsten Umgangsformen anlesen.

Shanghai ist eine superinteressante Stadt. Das Leben auf den Straßen kommt nie zur Ruhe. Etwa kleine Grillstände findet man mitten in der Nacht an jeder Ecke und solange die Touristen noch schlafen, verteilen sich im Morgengrauen Taiji-Sportler am Bund oder in der Nanjing Lu.

Das ständige Bestreben nach Wachstum und Erneuerung führt dazu, dass man manchmal die Orientierung verliert, weil ganze Straßenzüge von einen zum anderen Tag anders aussehen.

 

Reisen in China war ein Muss. Es gibt unzählige beeindruckende Ziele. Die strenge Anwesenheit an der SEM ermöglichte leider nur kurze Wochenendtrips, trotzdem haben wir Viel gesehen. Natürlich Peking, Xi’an, Guilin, Hangzhou, Nanjing oder die gelben Berge. Gern hätten wir noch mehr besucht.

Durch unseren Aufenthalt haben wir haben erkannt, das die Vielseitigkeit und die positiven Dinge an China, ungenügend dargestellt werden. Interessiert man sich für China, so ist es unablässig, dort eine Zeit zu verbringen und sich vom Chinavirus packen zu lassen.

 

Wir möchten uns sehr herzlich für die Möglichkeit bedanken, die uns durch die Kooperation der beiden Hochschulen, sowie durch das besondere Engagement von Prof. Wagner, geboten wurde.

 

 

Verfasser:

 

Kristin Becker

Thomas Vorndran


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