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Glasmalerei und Objekte aus Glas

Glasmalerei war vor allem eine Kunst des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts, doch erlebte sie Höhepunkte anderer Prägung auch im 16. und – von den Nachzüglern historisierender Stile und den kommerziellen Exporten in die Neue Welt abgesehen – im ersten Viertel und dann wieder seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Anforderungen an den Restaurator enden nicht an einer bestimmten Zeitschwelle, sondern reichen bis zu modernen künstlerischen Werken.

Im Zusammenhang mit den Gestaltungsabsichten der einzelnen Epochen sind die Charakteristika der Materialien und der künstlerischen Techniken sehr verschieden. Entsprechend unterschiedlich sind sowohl das Verhalten der Werke – insbesondere der Gläser – als auch die konservatorischen und restauratorischen Aufgabenstellungen. Mittelalterliche Scheiben bis ca. 1470 sind durchwegs von Glaskorrosion betroffen, Glasgemälde des 16. bis 19. Jahrhunderts, bis um 1870/80, haben ihre Schadensschwerpunkte in der gestalteten Oberfläche. Bei den späteren Objekten überwiegen dann wieder die konstruktiven Elemente. Die Aufgaben der Zukunft sind zunehmend die komplizierten Schadensentwicklungen an Verglasungen des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, welche die größte Denkmalgruppe darstellen.

Im Unterschied zur Einschätzung im 19. Jahrhundert und weitgehend noch bis in die letzten Jahrzehnte wird Glasmalerei heute nicht mehr als Kunsthandwerk und Kunstgewerbe bewertet, sondern als Kunstgattung von ähnlich hoher Bedeutung wie Skulptur und Malerei. Die kunstwissenschaftliche Forschung – von Einzelstudien bis zu den Arbeiten des Corpus Vitrearum Medii Aevi – hat dafür den Weg gewiesen. Forschungen zur Konservierungstechnologie folgten. Die praktische Pflege und Restaurierung der Werke blieb jedoch noch weitgehend handwerklich orientiert aufgrund der traditionell vorgegebenen Werkstattstrukturen und vor allem, weil eine Restauratorenausbildung auf diesem Gebiet fehlte. In nur sehr wenigen Werkstätten wurden Ansätze zu echter Restaurierungsmethodik gesucht.

Die Fachhochschule Erfurt hat 1996 als erste deutsche Hochschule dieses Studienfach eingerichtet und ist im Bundesgebiet die einzige Ausbildungsstätte in dieser Spezialisierung. Eine vorausgehende Lehre ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung für das Studium.

Die Erkenntnis, daß die Malerei auf Glas eine wesentlich differenziertere Entwicklung hatte als dies gemeinhin Denkmalpflege und Handwerk bewußt war, bestimmt heute weitgehend den Studieninhalt. Ein großes Gewicht wird auf die Maltechniken, auf die Befunduntersuchungen mit der Ursachenforschung von Schadensprozessen und auf die daraus zu entwickelnden Konservierungskonzepte, Verfahren und Technologien gelegt. Die Lehre bezieht dabei die Ergebnisse der großen Forschungsprojekte der letzten Jahre – der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück (DBU), der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin (BAM), des Fraunhofer-Instituts für Silikatforschung (ISC) in Würzburg/Bronnbach, der Labors des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in München und ausländischer Institutionen – ein.

Der Entwicklungsstand von Reinigungs- und Festigungsverfahren ist heute auf vergleichsweise hohem Niveau (chemische und mechanische Verfahren). Defizitär sind aber in der Praxis die Definitionen dessen, was zu reinigen und zu festigen ist, und die praktische Durchführung nach restauratorischen Normen.

Theorie und Praxis der Ausbildung umfassen deshalb die zwei für das Metier in seiner ganzen Breite der Anwendung relevanten Gesichtspunkte: die Materialien sowie ihre strukturellen Funktionen und Verbindungstechniken auf der einen und die gestalteten Oberflächen auf der anderen Seite. Es werden die historischen Maltechniken geübt, um die originalen Bemalungen, ihren Aufbau und Zustand bei den Befunduntersuchungen zu beurteilen.

Zum Lehrplan gehören: Technologie und Konservierungsverfahren der verschiedenen Spezies von Gläsern, ferner Festigung, Reinigung, Präventivmaßnahmen sowie technische und ästhetische Alternativen der Ergänzung. Wichtige Bestandteile des Studiums sind ferner das Anfertigen von Dokumentationen sowie das Vermitteln von Kunst- und Stilgeschichte der Glasmalerei.

Das Studium integriert die zur architekturgebundenen Verglasung gehörenden Randbereiche: die Konstruktion, die Schutzverglasungssysteme (Prophylaxe zur Schadensbegrenzung) mit den wichtigen Aspekten der Klimatologie und der Klimamessung sowie den ästhetischen Gesichtspunkten. Glasgemälde sind, wie andere Kunstwerke auch, als Ganzes zu sehen: Konstruktion, künstlerische Gestaltung und Ästhetik sind eine Einheit. Deshalb erfordern die materiellen und konstruktiven Komponenten die gleiche restauratorische Beachtung wie die gestaltete Oberfläche.

Der Studienschwerpunkt Glasmalerei und Objekte aus Glas ist mit allem dazu Erforderlichen hervorragend ausgestattet und arbeitet durch den engen Kontakt mit der Denkmalpflege weitgehend an Originalen, entwickelt Konzeptionen für anstehende Konservierungsprojekte und führt modellhafte Maßnahmen durch.

Vor geraumer Zeit wurde die Ausbildung auf die Gebiete Hohlglas, Keramik, Email und Mosaik (als eigenständiger Schwerpunkt) ausgedehnt.

Generell bestehen für die Absolventen der Studienrichtung gute Möglichkeiten des beruflichen Einstiegs. Akademisch ausgebildete Restauratorinnen und Restauratoren mit den Abschlüssen Bachelor und Master werden von Glasmalereiwerkstätten, Amtswerkstätten der Denkmalpflege und von Museen gesucht. Die freiberufliche Tätigkeit, zunehmend in Form von Restauratorengemeinschaften, bietet ebenfalls gute Chancen.


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