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Mosaik

Im Laufe seiner mehrertausendjährigen Geschichte erweist sich das Mosaik hinsichtlich seiner Erscheinungsform als erstaunlich wandelbar: Das Oberflächenmaterial - Stein, Ton, Terrakotta, Glas, Fayence, Perlmut etc. – mit seinen farb- und oberflächenspezifischen Werten variiert in Abhängigkeit u.a. von regionalen, zeitlichen und funktionalen Gegebenheiten. Dies gilt im Übrigen auch für die Größe und Form des Würfelmaterials, die Art des Setzens und des Zusammenfügens, die Wahl des Trägers etc. Und so lassen sich, darstellungsunabhängig, modische Tendenzen hinsichtlich optischer und haptischer Werte feststellen. Zum Teil sind sie Ausdruck künstlerischer Intention, zum Teil auch rein funktionaler Zwänge.

Den Diskurs allein auf die Mosaikoberfläche – vor allem die material- und ausführungstechnischen Aspekte - zu beschränken, entspräche bei Weitem nicht der Komplexität des Mosaiks: Dessen Existenz und Wirkung erweisen sich in entscheidendem Maß vom Trägersystem abhängig: Im Kontext des Fußbodenmosaiks etwa hat letzteres mechanische Belastung zu parieren, im Kontext des Deckenmosaiks einen gewichtmäßig leichten Haftvermittler darzustellen und im Kontext der Ikone bewegbar zu sein. Den unterschiedlichen Funktionen und technischen Anforderungen entsprechend entwickeln sich im Laufe der Zeit unterschiedliche – zum Teil auch regional differenzierbare - Trägersysteme aus.

Im Fokus der Vorlesung I und III (jeweils alternierend im WS) steht die Geschichte des Mosaiks, seiner Materialien, Setztechniken und Putzaufbauten. In weitgehend chronologischer Folge werden gleichermaßen Meisterwerke wie auch schlichte handwerkliche Erzeugnisse, die regionale und/oder zeitliche Besonderheiten exemplifizieren, des mesopotamischen, hellenistischen und römischen Raums sowie des nachantiken Italiens und Europas vorgestellt. Unter Heranziehung aktueller Forschung sowie zeitgenössischer Quellen und Traktate werden die jeweilige Materialwahl, Farbpalette sowie Ausführungstechnik vermittelt. Kulturelle Zusammenhänge, Präferenzen hinsichtlich spezieller Sujets und Dekorationssysteme, aber auch die mitunter spezielle Funktion des Mosaiks im Raumzusammenhang werden angesprochen. Dank jüngerer Forschungsansätze lassen zudem einige Materialien – vor allem das Würfelmaterial aus terra sigillata, bestimmten Marmorvarietäten und Glas – eine präzisere Datierung und lokale Zuordnung dieser einzelnen Komponenten zu.

Mögen die eingesetzten Materialien mitunter Rückschlüsse auf Geschmack, Bildung und finanzielle Möglichkeiten des Auftraggebers zulassen, schlagen sie sich in unserem Kontext häufig in einem sich lokal differenzierenden, materialabhängigen Erhaltungszustand des Mosaiks nieder.

Teil III der Vorlesungsreihe ist dem nachantiken Mosaik und den Sonderformen des Mosaiks gewidmet. Vor der Zeitenwende steht das Mosaik vor allem für Bodenzier. Im 1. Jahrhundert vor Christus beginnt sein Triumph als Wandverzierung: Die Materialpalette erfährt nun eine starke Bereicherung: Neben Stein und Terrakotta tritt vermehrt Muschelmaterial, Perlmut und vor allem das – in Tausenden von Farbabstufungen herstellbare - Glas.

In der Nachantike lassen sich vereinzelte Tendenzen der Loslösung von der Architektur beobachten. Zu erwähnen sind die Mosaikikone, aber auch das so genannte „Florentiner Mosaik“ (mosaico commesso), das später auch nördlich der Alpen mit Erfolg hergestellt wird. Hiermit verzierte man u.a. Möbel oder stellte auch direkt Bilder her. Gleiches gilt für das Mikromosaik, das als eine römische Erfindung des 18. Jahrhunderts auch unter der Bezeichnung „Römisches Mosaik“ (mosaico romano) bekannt ist. Auch wenn diese Mosaikarten auf mobilen Träger ausgeführt werden konnten, entstanden deren schönsten Beispiele architekturgebunden. Dies gilt übrigens auch für die Inkrustationen aus Muschelmaterial u.ä. der Renaissance und Folgezeiten. Als eine Erfindung der römischen Antike, welche in der italienischen Renaissance wieder aufgenommen und verfeinert wurde, gelangt sie nach Nordeuropa.

Die Tatsache, dass Mosaike zum Teil auf mobilen Trägern (Ikone, Altarbild), zur Zier mobiler Ausstattungsstücke und sogar als Schmuck (Mikromosaik) ausgeführt werden konnten, machen sie heutzutage zu gängigen Exponaten europäischer und amerikanischer Sammlungen. Hierin unterscheiden sie sich von den architekturgebundenen Mosaiken, die – abgesehen von nicht wenigen Ausnahmen – in situ verblieben oder in nahe gelegene Museen transloziert worden sind.

Zwischen den Vorlesungen I und III, die der Technik- und Materialgeschichte des Mosaiks gewidmet sind, findet - organisatorisch bedingt - jeweils im Sommersemester die Vorlesung „Untersuchung, Dokumentation, Restaurierung“ statt.

Getreu dem interdisziplinären Ansatz der Erfurter Fachrichtung steht nicht die Konservierung und Restaurierung der – das Mosaik maßgeblich konstituierenden - Materialien Stein, Glas, Terrakotta, Perlmut etc. im Vordergrund. Dies gehört zum Basiswissen, welches im B.A.-Studium durch die Grundlagenfächer erworben ist bzw. durch Wahlpflichtfächer im M.A.-Studium ergänzt werden kann. Freilich wird auch auf die genannten Materialien Bezug genommen, wenn ehemalige und aktuelle Restaurierungen sowie Restaurierungsmethoden und -technologien zur Sprache kommen. Im Vordergrund stehen allerdings die mosaikspezifischen Aspekte sowie das Mosaik als Gesamtsystem:
● Ausgrabung, Notsicherung, Abdecken bei Wiederzuschüttung.
● Untersuchung und Dokumentation zu Bestand und Zustand
● Abnahmetechniken und Trägersystem
● Fehlstellenbehandlung /museale Präsentation

Voraussetzung

Abgeschlossenes B.A.-Studium.

Grundkenntnisse hinsichtlich der Materialien sowie deren Konservierung/Restaurierung der Studienschwerpunkte:
 
● Archäologisches Kulturgut und Kunsthandwerk,
● Glasmalerei und Glasfenster
● Bemalte Oberflächen und Ausstattung
● Plastisches Bildwerk und Architektur aus Stein
● Wandmalerei und Architekturfassung.

Angesprochener Interessentenkreis
Die Material- und Technologievielfalt des Mosaiks – oder besser: der verschiedenen Mosaikarten – betrifft alle an der FR Konservierung und Restaurierung unterrichteten Studienschwerpunkte und bietet sich dementsprechend alle Studierenden an. 

Erworbene Qualitäten
Die Studierenden sind in der Lage, kleinere – von der Darstellung her nicht aussagekräftige - Fragmente von Mosaiken hinsichtlich ihrer Funktion sowie hinsichtlich Ausführungsgebiet und Herstellungszeit grob einzuordnen sowie eine Aussage über die verwendeten Materialien und die Qualität zu treffen. Zudem erweisen sich die Studierenden mit den Grundlagen der Untersuchungsmethoden, der Dokumentation vertraut und führen in Eigenverantwortung weniger komplexe konservatorische und restauratorischer Behandlungen durch.

Prof. Dr. Christoph Merzenich


© 2007-2015

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