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Fachrichtung Konservierung und Restaurieung

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Glasmalerei und Objekte aus Glas

Glasmalerei war vor allem eine Kunst des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts, doch erlebte sie Höhepunkte anderer Prägung auch im 16. und 20. Jahrhundert. Die Anforderungen an die Restaurierung enden somit nicht an einer bestimmten Zeitschwelle, sondern reichen bis zu modernen künstlerischen Werken.

Im Zusammenhang mit den Gestaltungsabsichten der einzelnen Epochen sind die Charakteristika der Materialien und der künstlerischen Techniken sehr verschieden. Entsprechend unterschiedlich sind sowohl das Verhalten der Materialien als auch die konservatorischen und restauratorischen Aufgabenstellungen. Mittelalterliche Scheiben bis ca. 1470 sind durchwegs von Glaskorrosion betroffen, zeitlich darauf folgende Glasgemälde haben ihre Schadensschwerpunkte in der gestalteten Oberfläche. Bei modernen Objekten überwiegen dann die konstruktiven Elemente.

Im Unterschied zur Einschätzung im 19. Jahrhundert wird Glasmalerei heute nicht mehr als Kunsthandwerk bewertet, sondern als Kunstgattung von ähnlich hoher Bedeutung wie Skulptur und Malerei. Die kunstwissenschaftliche Forschung hat dafür den Weg gewiesen, wie auch die Forschungen zur Konservierungstechnologie. Die praktische Restaurierung der Werke blieb jedoch aufgrund der traditionell vorgegebenen Werkstattstrukturen noch weitgehend handwerklich orientiert. In nur sehr wenigen Werkstätten wurden Ansätze zu echter Restaurierungsmethodik gesucht.

 

Die Fachhochschule Erfurt hat 1996 als bisher einzige deutsche Hochschule das Studienfach Glasrestaurierung eingerichtet. Eine vorausgehende Lehre ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung für das Studium. Die praktische Einführung in Glasveredelungstechniken wie etwa das Ätzen oder die Verbleiung ist daher ein essentieller Bestandteil des Curriculums.

Die Erkenntnis, dass die Malerei auf Glas eine wesentlich differenziertere Entwicklung hatte als dies gemeinhin bewusst war, bestimmt heute weitgehend den Studieninhalt. Ein großes Gewicht wird auf die Maltechniken, auf die Befunduntersuchungen und auf die daraus zu entwickelnden Konservierungskonzepte gelegt. Die Ausbildung bezieht dabei die Ergebnisse der großen internationalen Forschungsprojekte der letzten Jahre mit ein, wie etwa VIDRIO (2002 – 2005) und CONSTGLASS (2007 – 2010).

Der Entwicklungsstand von Reinigungs- und Festigungsverfahren ist heute auf vergleichsweise hohem Niveau. Defizitär sind aber in der Praxis die Definitionen dessen, was zu reinigen und zu festigen ist. Theorie und Praxis der Ausbildung umfassen deshalb zwei für relevante Gesichtspunkte: die Materialien mit ihren strukturellen Funktionen und Verbindungstechniken auf der einen und die gestalteten Oberflächen auf der anderen Seite. In praktischen Seminaren werden daher die historischen Maltechniken geübt, um die originalen Bemalungen, ihren Aufbau und Zustand bei den Befunduntersuchungen zu beurteilen.

Zum Lehrplan gehören: Technologie und Konservierungsverfahren der verschiedenen Gläser, ferner Festigung, Reinigung, Prävention sowie Alternativen der Ergänzung. Wichtige Bestandteile des Studiums sind ferner das Anfertigen von Dokumentationen sowie die Vermittlung von Stilgeschichte der Glasmalerei. Dabei werden die zur Glasmalerei gehörenden Randbereiche integriert: die Konstruktion, die Schutzverglasungssysteme (Prophylaxe zur Schadensbegrenzung) mit den wichtigen Aspekten der Klimamessung sowie der ästhetischen Gesichtspunkte.

Die Werkstätten des Studienschwerpunktes sind mit allem dazu Erforderlichen hervorragend ausgestattet. Durch den engen Kontakt mit der Denkmalpflege arbeiten Studierende weitgehend an Originalen, entwickeln Konzeptionen für anstehende Konservierungsprojekte und führen modellhafte Maßnahmen durch. Nach Abschluss des Studiums bestehen gute Möglichkeiten des beruflichen Einstiegs. Akademisch ausgebildete Restaurator*innen mit den Abschlüssen Bachelor und Master werden von Glasmalereiwerkstätten, Amtswerkstätten der Denkmalpflege und von Museen gesucht. Die freiberufliche Tätigkeit, zunehmend in Form von Arbeitsgemeinschaften, bietet ebenfalls gute Chancen sowohl auf nationalem wie internationalen Terrain.


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