Startseite FHE

Seitennavigation

Springen Sie direkt zu einem der folgenden Seitenbereiche:


Auswahl Sprache, Layout und Schriftgröße


Fachrichtung Konservierung und Restaurieung

Hauptnavigation


Plastisches Bildwerk und Architektur aus Stein

 

Seit Jahrtausenden werden Skulpturen aus Stein gearbeitet und Bauwerke aus Stein errichtet. Nichts prägt eine Kulturlandschaft mehr als der vor Ort anstehende Naturstein. Test Wer aus Stein bauen ließ oder Bildwerke daraus schuf, machte dies wegen der Dauerhaftigkeit und Unvergänglichkeit dieses Materials. Doch nicht erst in unserem Jahrhundert musste man feststellen, daß auch der Naturstein nicht ewig hält. Natürliche Alterung, Umweltbelastungen und mangelnde Pflege führen zum Zerfall der aus Stein gefertigten Kunstwerke. Schon früher hat es nicht an Versuchen gefehlt, diesem Verfall Einhalt zu gebieten. Doch erst seit einigen Jahren gibt es die technischen Möglichkeiten, Steinzerfall durch Konservierung zu verlangsamen und damit die gefährdeten Kunstwerke zu retten. Gleichzeitig mit technologischen Entwicklungen entstand eine neue Fachrichtung der Restaurierung: Die Restaurierung plastischer Bildwerke und Architektur aus Stein.

Tradition der Steinkonservierung in Thüringen

Die Restaurierung plastischer Bildwerke aus Stein kann in Thüringen auf eine vierzigjährige Geschichte zurückblicken. Schon bei der Restaurierung der Altanfiguren des Südquerhausgiebels der Marienkirche in Mühlhausen 1968 konnten methodische, ästhetische und technologische Zusammenhänge grundsätzlich formuliert werden und praktische Anwendung finden. An den damals gestellten Fragen wurde in den folgenden Jahren weitergearbeitet. Die Summe dieser Überlegungen wurde in einem Algorithmus zur Restaurierung plastischer Bildwerke und Architektur aus Stein zusammengefasst. Dieser "Algorithmus" ist ein Leitfaden zur Systematisierung der Fragestellungen, die im Zusammenhang mit einer Konservierung und Restaurierung auftreten.
Die Erkenntnisse und die praktischen Erfahrungen der Thüringer Steinkonservierung bilden die Grundlage für das Studium in der Spezialisierung plastische Bildwerke und Architektur aus Stein in unserem Fachbereich. Darüber hinaus findet eine kritische Auseinandersetzung mit internationalen Forschungsergebnissen und wichtigen Restaurierungen statt.

Plastische Retusche

Zentrales Thema der Restaurierung ist neben der Festigung und Reinigung die Ergänzung von Fehlstellen. Dabei ist heute nicht so sehr der fragmentarische Zustand eines Kunstwerkes problematisch als die störende Wirkung von Fehlstellen auf die Ablesbarkeit und Ästhetik des Objektes selbst. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich der methodische Ansatz der Retusche, wie sie für die Malerei entwickelt wurde, auch auf das plastisch geformte Kunstwerk übertragen läßt. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage bildet einen wichtigen Schwerpunkt des Studiums.
Grundlage der Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk ist das Verständnis seiner Ästhetik und seiner Gestaltungsabsicht. Dazu werden in Vorlesungen und praktischen Übungen neben den kunst- und geisteswissenschaftlichen Aspekten auch die handwerklichen und künstlerischen Techniken plastischer und farbiger Gestaltung von Skulptur und Architektur aus Stein vermittelt. Die maltechnischen Seminare des Grundstudiums werden durch den Kurs Steinbearbeitung ergänzt. Im Hauptstudium werden die Kurse plastisches Gestalten und Bildhauertechnik angeboten.

Farbfassung auf Stein

Wie andere Kunstwerke auch waren Skulpturen und Architekturen aus Stein häufig farbig gefasst, bemalt oder angestrichen. Aus dieser Tatsache ergeben sich als weitere Felder restauratorischer Arbeit die Untersuchungen solcher Fassungen und ihre Konservierung und Restaurierung. Den Studierenden werden außerdem die historischen und modernen Mal- und Anstrichtechniken auf Stein vermittelt.

Konservierung und Restaurierung am Original

Restaurierung ist immer erst dann erforderlich, wenn das Kunstwerk geschädigt ist. Die am Stein zu beobachtenden Schäden sind von besonderer Vielfalt. Sie sind zunächst vom Material selbst abhängig und stehen im Zusammenhang mit der natürlichen Alterung des Natursteins. Sie werden ferner durch die Bewitterung und die Umweltbelastungen, denen das steinerne Kunstwerk ausgesetzt ist, verstärkt. Und schließlich trägt mangelnde Pflege zur Schädigung bei. Diese Schäden gilt es zunächst zu beschreiben, ihre Ursachen zu erkennen und das Instrumentarium der Prophylaxe und Konservierung zu beherrschen. Die restauratorische Tätigkeit erfordert den intensiven Dialog mit den Naturwissenschaftlern und den Materialtechnologen. Um dieses Gespräch führen zu können, werden während des Studiums, aufbauend auf den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern, Kenntnisse in Mineralogie, Geologie und Bauphysik vermittelt.
Die Arbeit des Restaurators geht aber über den alleinigen Materialerhalt hinaus. Seine Aufgabe ist es vor allem, die geistigen Inhalte des Kunstwerkes, seine ursprüngliche Aussage und seine Geschichte zu bewahren. In diesem Spannungsfeld müssen für jedes zu restaurierende Kunstwerk individuelle Antworten gefunden werden.
Auf Grundlage dieser theoretischen Auseinandersetzung können die Studierenden der Spezialisierungsrichtung am originalen Kunstwerk restauratorische Methodik umsetzen. Die dazu erforderlichen Konservierungs- und Restaurierungstechniken werden während des Studiums erlernt.
In den zurückliegenden Jahren wurden in der Spezialisierungsrichtung / dem restauratorischen Studienschwerpunkt unter anderem an folgenden Objekten gearbeitet:

  • Erfurt, Severi Kirche, Taufstein, Sandstein, gefasst
    • Dokumentation des Bestandes und des Zustandes mit umfangreichen Kartierungen
    • Untersuchungen zur Werktechnik in deren Ergebnis u. a. verschiedene im Mittelalter angewendete Klebetechniken für Naturstein nachgewiesen wurden (Harz-Kollophonium, Schwefel, Glutinleim)
    • Entwicklung des Restaurierungskonzeptes und der Leistungsbeschreibung 
  • Magdeburg, Dom, verschiedene Projekte:
    • Paradiesvorhalle, Skulpturenprogramm Kluge und Törichte Jungfrauen
    • Vesperbild
    • Kanzel
    • Hauptaltar
    • Votivrelief im Kreuzgang
    • Grabplatten im Kreuzgang
  • Sondershausen, Schloss, Raumschale aus Dendritenkalkstein und Alabaster
    • Untersuchungen zu Bestand- und Zustand,
    • Ursachenanalyse und Maßnahmekonzeption
    • Leistungsverzeichnis und Kostenermittlung 
  • Erfurt, Dom, Skulpturen zweier Apostel, Alabaster mit Teilfassungen
    • Untersuchungen zu Bestand und Zustand
    • Untersuchungen zur Reinigung der Alabasteroberflächen
    • Durchführung der Konservierung und Restaurierung
  • Erfurt, Allerheiligenkirche, Madonna, Terrakotta, gefasst, archäologischer Fund
    • Untersuchungen zu Bestand und Zustand mit Schwerpunkt der Fassung: dabei drei polychrome Fassungen festgestellt und rekonstruiert
    • Konservierung der Fragmente der Skulptur und der Fassung
    • Zuordnung der Fragmente unter Einbeziehung virtueller Darstellungstechniken
    • Überlegungen zur Präsentation
  • Erfurt, Schmerzensmann, Sandstein gefasst, archäologischer Fund
    • Untersuchung zu Bestand und Zustand mit Schwerpunkt der Fassung
    • Freilegung der Fassung (Abnahme sekundärer Mörtel) und Konservierung
    • Konzeption der Präsentation
  • Erfurt, Kaufmännerkirche, Taufstein, Sandstein gefasst
    • Untersuchung zu Bestand und Zustand mit Schwerpunkt der Fassung
    • Musterachse zur Restaurierung mit Schwerpunkt Festigung und Reinigung der Fassung

Restaurierungsmanagement

In zunehmendem Maße muss sich der Restaurator der Aufgabe stellen, komplexe Maßnahmen an der Architektur aus Stein zu planen und deren Durchführung zu überwachen. Die dazu notwendigen Kenntnisse werden während des Studiums vermittelt: Die systematische Voruntersuchung der Objekte, die Beschreibung der Schäden und die Ermittlung ihres Umfanges, die Darstellung der durchzuführenden konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen in einem Leistungsverzeichnis, die Bewertung eines Ausschreibungsergebnisses und die Möglichkeiten der Überwachung solcher Arbeiten. Die Erfurter Ausbildung setzt hier einen neuen Schwerpunkt. Die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Architektur, Landschaftsarchitektur und Bauingenieurwesen und anderen Fachbereichen unserer Fachhochschule bildet dafür eine gute Basis.
Die Absolventen der Spezialisierungsrichtung / des restaurierungsspezifischen Studienschwerpunktes sind mit ihrem breit gefächerten Ausbildungsspektrum befähigt, sowohl freiberuflich und in Restaurierungsfirmen als auch in Museen oder Denkmalämtern tätig zu werden.

Wichtige Projekte:

Erfurt, Severi Kirche 
- Taufstein

Magdeburg, Dom 
- Paradiesvorhalle,
  Kluge und Törichte Jungfrauen
- Vesperbild
- Kanzel
- Hauptaltar
- Votivrelief im Kreuzgang
- Grabplatten im Kreuzgang

Sondershausen, Schloss 
- Raumschale aus Dendriten-
  kalkstein und Alabaster


© 2007-2015

www.fh-erfurt.de/kr/index.php?id=285