Prof. Dr. Wolfgang Borchardt
Innovatives Pflanzenkonzept "Silbersommer"
„Silbersommer“ ist ein Beispiel für eine innovative Pflanzstrategie im öffentlichen Grün; perfektioniert im Arbeitskreis „Pflanzenverwendung“ beim Bund deutscher Staudengärtner. Stauden – viele Jahre ausdauernd, aber nicht verholzend – bringen hierfür die besten Voraussetzungen mit. Im Wortsinn „nachhaltig“, müssen sie nicht wie Sommerblumen immer wieder neu geplant, beschafft und gepflanzt werden. Trotzdem gibt es viel Erlebnisqualität; mehr noch, als sie Rosen und Sommerblumen bieten können. Denn: Staudenpflanzungen sind unübertroffen vielfältig.
Ganz unterschiedliche Blatt- und Blütenformen verbinden sich mit einer breiten Farbpalette. Strukturstarke, dabei auch durch den Winter standfeste Arten – allen voran einige Gräser - sorgen für ruhige Kontrapunkte. Dabei verändert eine Staudenpflanzung – ganz im Gegensatz zu einer Gehölzpflanzung, einer Buchshecke, einer Rasenfläche, einem Rosen- oder Blumenbeet – während der Vegetationszeit mehrfach ihr Gesicht, stehen sich doch „Früh- und Spätstarter“ mit unterschiedlichen Wuchshöhen und Blühzeiten gegenüber. Die Attraktivität von Staudenpflanzungen reicht über die äußere Schönheit ansprechender Vegetationsbilder hinaus. Überall dort, wo es für die meisten Gehölzarten zu nass, zu trocken, zu dunkel ist, stehen uns immer noch zahlreiche Staudenarten zur Verfügung, ohne dass der Boden aufwändig hergerichtet, die Pflanzung zusätzlich bewässert werden muss. Das heißt eine hohe Erlebnisqualität mit einem vergleichbar geringen Ausführungs-, Erhaltungs- und Energieaufwand zu verbinden.
Das scheinen stichhaltige Argumente für Staudenpflanzungen. Aber: Der Planungsaufwand nach herkömmlichem Muster ist hoch. Wer beherrscht die Vielfalt der Arten und ihre Wuchsdynamik? Wer erledigt die vermeintlich nötigen Pflegearbeiten: Hacken, Düngen, Wässern, Schneiden, Stäben … ?
Das Konzept der „Mischpflanzung“ zeigt, wie es trotzdem geht. Nun wird es einfach, die Vorzüge von Stauden vorbehaltlos zu nutzen: Die Verwendung eines „vorkonfektionierten“ und erprobten Sortiments – ganzjähriger Wirkung und oft einem Farbthema verpflichtet – bedarf keines aufwändig zu erarbeitenden Pflanzplan; entsprechend entfällt auch die Absteckung von Pflanzenstandorten. Es ist nicht wichtig, ob der Storchschnabel neben der Katzenminze steht. Es gibt keine Abstufung von vorn (niedrig) nach hinten (hoch). Wichtiger als der Erhalt einzelner Pflanzen ist das Überleben der Pflanzung insgesamt. Dazu tragen auch vagabundierende „Füller“ bei, die – selbst kurzlebig aber sich reichlich versamend – verbliebene oder neu entstehende Lücken schließen. Ein selbstregulierendes System mit viel Dynamik und der Aufforderung, sich darauf einzulassen. Artenvielfalt sichert den Erhalt der Pflanzung, sorgt für das ansprechende Vegetationsbild, ist ein Beitrag zur Biodiversität in der Stadt!
Das Bekenntnis zur Mischpflanzung schließt ein Umdenken und den Verzicht auf herkömmliche Pflegerituale ein. Nicht Hacken, Gießen, Düngen: Die Pflanzen sind standortgerecht! Der Rückschnitt – wegen der winterlichen Staudenstrukturen erst im Nachwinter - erfolgt ganzflächig maschinell in einem Bruchteil herkömmlicher Pflegezeiten. Die Frühlingsfarben der in jeder Mischpflanzung enthaltenen Zwiebel- und Knollenstauden leiten das neue Staudenjahr ohne Zeitverzug ein.
Die ersten Mischungen, zu denen der von grauen, weißen und gelben Farbtönen dominierte „Silbersommer“ gehört, wurden für sonnig-trockene Freiflächen in städtischen Freiräumen, insbesondere im Verkehrsbegleitgrün erarbeitet und erfolgreich erprobt. Sie tragen den Besonderheiten des warmen Stadtklimas bei oft schlechten Bodenbedingungen Rechnung. Die derzeit entwickelten Mischungen erschließen schattige Bereiche und heißen: „Schattenzauber“, „Schattenglanz“ und „Schattengeflüster“; jeweils mit den Pflanzen, die genau diese Eindrücke vermitteln!
Für den AK „Pflanzenverwendung“ beim Bund deutscher Staudengärtner im Zentralverband Gartenbau: Prof. Dr. Wolfgang Borchardt FH Erfurt, Fachbereich Landschaftsarchitektur, Gartenbau, Forst Leipziger Str. 77 99085 Erfurt










