Professorin Miriam Müller-Rensch im Gespräch
Wenn Sie auf Ihren bisherigen Weg schauen, was hat Sie in die Wissenschaft geführt?
Meine Neugier auf die Welt, neue Erkenntnisse und Begegnungen. Die Wissenschaft habe ich als vielfältiges, aber auch forderndes Berufsfeld kennengelernt.
Was begeistert Sie bis heute an Ihrer Arbeit?
Der Auftrag, nicht stehenzubleiben, eigene Fähigkeiten und Stärken für andere, aber auch sich selbst weiterzuentwickeln.
Wie würden Sie Ihr Forschungsfeld jemandem erklären, der nichts davon weiß?
Ich beschäftige mich mit Kriegsgewalt, der Gewalt bewaffneter Gruppen und individuellem Gewalterleben und dessen Folgen – mich interessieren also Makro-, Meso- und Mikro-Ebene gleichermaßen. Die Verschränkung und das Zusammenspiel dieser Ebenen und welche Rolle Gewalt beim Wandel von Gesellschaft und politischen Systemen spielt, ist methodischer Kern aller meiner Forschungsprojekte. Entsprechend vielfältig sind auch die Themen: Internationale Konflikte des 20. und 21.Jahrhunderts, Radikalisierung und Terrorismus, sowie Gewalt als Mittel antidemokratischer Bewegungen.
Wie verlief Ihr persönlicher Karriereweg – gab es Phasen des Zweifelns und Scheiterns/besondere Herausforderungen/Erfolge und wie sind Sie damit umgegangen?
Nach meiner Doppelpromotion in Berlin und Kanada war der Wiedereinstieg in der deutschen Wissenschaft eine Herausforderung. Um meine englischsprachige Dissertation zur Außenpolitik der DDR im Jemen zu veröffentlichen, arbeitete ich tagsüber als freie Reise- und Politbloggerin und schrieb nachts an meinem Buch. Nur wenige Ausschreibungen mit adäquaten Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft adressierten auch meine Regionalexpertise zu Nah- und Mittelost. Meine Ausdauer wurde am Ende jedoch belohnt – am Hamburger Institut für Sozialforschung erhielt ich die Möglichkeit, mein eigenes Forschungsdesign zu Aufstieg und Herrschaft des „Islamischen Staates in Irak und in Syrien“ umzusetzen. Die folgenden drei Jahre widmete ich intensiv meiner Forschung, eine einmalige und prägende Zeit, für die ich bis heute dankbar bin.
Was ist an wissenschaftlicher Arbeit oft unsichtbar für Außenstehende?
Viele Stunden im Archiv oder die Auswertung von empirischem Material, aber auch die Energie, die in Perfektion und Detailverliebtheit einer Publikation fließen muss.
Welche Veränderungen (im Bereich der Wissenschaft) wünschen Sie sich für zukünftige Generationen?
Wissenschaft, die weniger von wirtschaftlichem Druck und Zeitverträgen geprägt ist. Forschung, aber auch forschungsorientierte Lehre muss mehr Raum für nachhaltige Entwicklung, Vernetzung und kreative Innovation bieten.
Was hätten Sie gern früher über Wissenschaft/die Arbeit an einer Hochschule gewusst und welchen Rat würden Sie Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen geben?
Dass viel Zeit vom Erststudium bis zur Festanstellung in Forschung und Lehre vergeht. Deshalb rate ich, Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen und ein gutes Netzwerk aufzubauen, sich eine:n Mentor:in zu suchen und immer einen Plan B oder C zu haben.
Sind Wissenschaftler:innen an der FHE gut aufgehoben? Was macht die FHE aus Ihrer Sicht zu einem guten Arbeitsplatz?
Trotz hoher Lehrbelastung ist es durchaus möglich, sich Zeit für die Wissenschaft zu erarbeiten – doch wie bei jeder Station zuvor ist auch in der Professur der Weg lang, bis der nötige Freiraum für wirklich innovative Forschung da ist. Die Forschungssemester, die derzeit noch rund alle vier Jahre an den Fachhochschulen in Thüringen beantragt werden können, sind ein guter Anfang.
Fakultät
Angewandte Sozialwissenschaften
Lehrgebiet
- Soziologie und sozialwissenschaftliche Grundlagen (Vorlesung), BA Soziale Arbeit
- Forschung und Anwendung (Seminar), BA Soziale Arbeit
- Ausgrenzung und Abweichung I, Ausgrenzung und Abweichung im internationalen Vergleich (Seminar), BA Soziale Arbeit
- Ausgrenzung und Abweichung I, Studienprojekt (Seminar), BA Soziale Arbeit
- Soziologie und sozialwissenschaftliche Grundlagen (Vorlesung) BA Pädagogik der Kindheit
- Einführung in Internationale Menschenrechtsarbeit (Seminar), MA Internationale Soziale Arbeit
- Einführung in Internationales zivilgesellschaftliches Engagement und Dekmokratieförderung (Seminar), MA Internationale Soziale Arbeit
- Praxisbegleitung und -reflexion (Seminar), MA Internationale Soziale Arbeit