Professorin Petra Wollenberg im Gespräch
Wenn Sie auf Ihren bisherigen Weg schauen, was hat Sie in die Wissenschaft geführt?
Durch mein privates Umfeld und mein Studium war für mich früh klar, dass ich Architektur lehren will, was ich als Assistentin an der TU Braunschweig und später an der ETH Zürich umsetzen konnte. Mein Wissen an nachfolgende Generationen weiterzugeben, die Anforderungen unserer Zeit zu diskutieren und Ideen für zukünftige Lebensräume zu entwickeln, erfüllt mich sehr.
Was begeistert Sie bis heute an Ihrer Arbeit?
Die Gestaltung von Räumen und Atmosphären in allen Maßstäben, vom Innenraum bis hin zum Städtebau. Als praktizierende Architektin entwickle ich mit meinem Team Projekte für ein breites Spektrum an Bauaufgaben. In der Lehre bereichert mich der kreative Austausch mit den Studierenden und die Möglichkeit, gemeinsam jedes Semester innovative und praxisnahe Projekte zu aktuellen Fragestellungen zu bearbeiten.
Wie würden Sie Ihr Forschungsfeld jemandem erklären, der nichts davon weiß?
Das Forschungsfeld Städtebau untersucht, wie urbane Räume gestaltet werden sollten, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Wir versuchen Stadträume zu konzipieren, die Antworten auf die multiplen Auswirkungen des Klimawandels, den Verlust der Biodiversität und die diversen gesellschaftlichen Veränderungen geben können.
Wie verlief Ihr persönlicher Karriereweg – gab es Phasen des Zweifelns und Scheiterns/besondere Herausforderungen/Erfolge und wie sind Sie damit umgegangen?
Mein Mathematiklehrer hat mir in der Oberstufe vom Studium der Architektur abgeraten, ohne aber Kenntnisse von den Inhalten eines solchen Studiums zu haben. Durch befreundete Architekturstudierende habe ich einen Einblick in das Architekturstudium bekommen und an meinem Berufswunsch festgehalten. Ich hatte eine großartige Studienzeit und habe nach einer kurzen Angestelltenzeit, zusammen mit einem Partner, ein Büro gegründet. Auch in Zeiten schwieriger Auftragslagen habe ich nie an dieser Entscheidung gezweifelt und die parallele Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin hat die Arbeit im Büro sehr gut ergänzt und befruchtet.
Was ist an wissenschaftlicher Arbeit oft unsichtbar für Außenstehende?
Die intensive und zeitaufwendige Recherchearbeit für eine qualitätsvolle Vorlesung zu einem neuen Thema. Zudem müssen in einem Projektstudiengang jedes Semester ein relevantes Thema, passende Projektpartner:innen und interessante Orte gefunden werden.
Welche Veränderungen (im Bereich der Wissenschaft) wünschen Sie sich für zukünftige Generationen?
Wissenschaft sollte immer zukunftsfähige und nachhaltige Antworten für gesellschaftlich relevante Fragestellungen entwickeln und die in einer Demokratie gültigen Maßstäbe und Werte beachten. Wissenschaft muss aktiv Haltung gegenüber denen zeigen, die die Freiheit der Lehre und Forschung einschränken wollen.
Welchen Rat würden Sie Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen geben?
Einfach machen! Das hört sich etwas simpel an, aber wenn man eine Idee hat, sollte man anfangen etwas auszuprobieren, auch wenn Weg und Ziel noch nicht ganz klar sind. Wenn es einem wirklich wichtig ist, dranbleiben und mit anderen in den Austausch gehen.
Sind Wissenschaftler:innen an der FHE gut aufgehoben? Was macht die FHE aus Ihrer Sicht zu einem guten Arbeitsplatz?
Ich nehme an unserer Fakultät ein vertrauensvolles und offenes Klima wahr. Unterschiedliche Standpunkte werden konstruktiv besprochen und Freiheiten in Lehre und Forschung im gegenseitigen Vertrauen gewährt. Bürokratische Vorgänge könnten effektiver gestaltet sein.
Fakultät
Architektur und Stadtplanung
Lehrgebiet
- Professur für Entwurf und Städtebau