Klima-N-Symposium 2026: Hochschulen gestalten Zukunft gemeinsam

Am 8. Oktober 2026 fand das dritte Symposium des Klima-N-Forschungsprojekts im Holzhörsaal auf dem Grünen Campus der Fachhochschule Erfurt statt. Unter dem Titel „Gemeinsam nachhaltig: Welche Partnerschaften brauchen die Hochschulen von morgen?“ diskutierten Vertreter aus Hochschulen, Forschung und Wirtschaft, wie Nachhaltigkeit an Hochschulen durch Netzwerke und Kooperationen gelingen kann. Die Veranstaltung umfasste Impulse aus bestehenden Thüringer Netzwerken, Berichte der Klima-N-Verbundpartner, einen Praxisimpuls aus Sachsen-Anhalt und eine abschließende Podiumsdiskussion.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Björn Machalett und der Einführung durch die Moderatorin M. Eng. Kora Schumann (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Klima-N) widmete sich der erste Vortragsblock den Impulsen aus Thüringer Netzwerken. Den Auftakt des ersten Vortragsblocks bildete ein Impulsvortrag von Dr. Karsten Gäbler (Friedrich-Schiller-Universität Jena) unter dem Titel „Vernetzt für den Wandel: Das Thüringer Hochschulnetzwerk Nachhaltigkeit“. Auf Grundlage seiner Erfahrungen aus dem Thüringer Hochschulnetzwerk Nachhaltigkeit (THN-N) beleuchtete er, was Netzwerken im Hochschulkontext bedeutet. Dabei machte er deutlich, dass Nachhaltigkeit zwar in Leitbildern und Task-Forces der Hochschulen angekommen sei, in der Alltagsrealität und bei der Finanzierung jedoch häufig an Grenzen stoße. Netzwerkarbeit erfordere dafür Professionalisierung, aktives Ausbalancieren unterschiedlicher Erwartungen und belastbare Beziehungen. Sein Appell: sich von Hindernissen nicht entmutigen zu lassen.
Wie aus einem Netzwerk eine dauerhafte Struktur entstehen kann, zeigten anschließend Markus Wolf und Dipl.-Ing. Christoph Greiner-Petter. Das WIR!-Bündnis Holz-21-regio verbindet Hochschulen, außeruniversitäre Bauforschung, Wirtschaft, Kommunen und Politik entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Waldumbau bis zum Recycling. Auf Grundlage einer Förderung aus dem BMFTR-Programm „WIR!“ entsteht in Suhl-Nord das Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe (KHoR) als dauerhafte Transferstruktur. Das Beispiel Bündnis Holz-21-regio verdeutlicht, wie die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis regionale Transformationsprozesse vorantreiben kann.
Im zweiten Vortragsblock berichteten die Verbundpartner des Klima-N-Projekts über ihre Ergebnisse. Die Fachhochschule Erfurt (Prof. Dr. Björn Machalett) setzte Schwerpunkte bei der Campusbiodiversität mit einem Naturgarten, einer hochschulübergreifenden Ringvorlesung und nachhaltigen Mobilitätskonzepten. Das Projekt wurde zudem durch Green Trans Edu internationalisiert. Künftig sollen institutionelle Routinen verankert und Ergebnisse über das THN-N auf weitere Akteure transferiert werden. Die Universität Erfurt (Prof. Dr. Bettina Hollstein) verankerte das Service Learning stärker in der Lehre, führte ein Nachhaltigkeitszertifikat ein und band neue Partner wie das Projekt BBNE (Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung) ein. Im Zuge des Symposiums wurde Holz-21-regio als potenzieller weiterer Partner für das Projekt an der Universität Erfurt identifiziert. An der Technischen Universität Ilmenau (Prof. Dr. Jens Wolling) wurde eine hochschulweite Taskgroup Nachhaltigkeit und ein Green Office gegründet, das sich zu einem Nachhaltigkeitsforum entwickeln soll. Nachhaltigkeitsthemen wurden dort zudem in der strategischen Gesamtentwicklung der Universität verankert. Prof. Wolling betonte außerdem die Bedeutung von Zielen, Begleitern und Wegen: Es gelte, geduldig und zugleich ungeduldig zu sein, Dinge durchzusetzen und nicht aufzugeben. Für die Hochschule Nordhausen berichtete Sabine Köhler in Vertretung von Dr. Pascal Leibbrandt. Im Rahmen des Projekts analysierte die Hochschule ihre Ressourcenflüsse und setzte praktische Vorhaben wie eine Solarinsel um. Darüber hinaus entstanden ein Campusleitfaden und ein Beirat für Nachhaltigkeit.
Die Perspektive eines weiteren Netzwerks brachte Dr. Daria Meyr, F&E-Referentin der Hochschule Anhalt, mit ihrem Impulsvortrag „Brücken bauen für die Transformation“ ein. Sie berichtete aus dem Netzwerk „Nachhaltigkeit in der Wirtschaft in Mitteldeutschland“. Nach dem Quadruple-Helix-Modell gelingt Innovation durch das Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft; derzeit zählt das Netzwerk 68 Partner. Als Erfolgsfaktoren nannte sie Vertrauen, eine gemeinsame Sprache, klare Ziele und Zeit für den Beziehungsaufbau. Zudem ermöglichen Bottom-up-Ansätze es den Partnern, drängende Themen eigenständig zu gestalten.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zu den Erfolgsfaktoren für starke Bündnisse mit Prof. Dr. Bettina Hollstein (Universität Erfurt), Dr. Daria Meyr (Hochschule Anhalt), Dr. Mira Rochyadi-Reetz (Technische Universität Ilmenau) und Markus Wolf (Bündnis Holz-21-regio). Einigkeit bestand darin, dass klare Führung durch ein Kernteam mit Raum für Diskussion und Beteiligung kombiniert werden sollte und dass Partner auf Augenhöhe und mit passenden Angeboten angesprochen werden müssen. Als grundlegendes Fundament für langfristige Kooperation nannte das Podium den Aufbau gegenseitigen Vertrauens und einer persönlichen Ebene.
Das Symposium machte deutlich: Nachhaltigkeit lässt sich an Hochschulen nicht isoliert umsetzen. Netzwerke bieten Struktur, gegenseitigen Rückhalt und Stärkung bei Konflikten und Ressourcenknappheit. Für das Klima-N-Projekt ist das Symposium ein Auftakt für weitere Vernetzung: Der Austausch unter den Verbundpartnern wird ebenso fortgeführt wie die Zusammenarbeit mit dem THN-N, der Hochschule Anhalt und außeruniversitären Partnern wie Holz-21-regio.