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Hitzerobuste Gemeinschaftsangebote am Erfurter Johannesplatz

In der kalten Jahreszeit bereits für den nächsten Sommer vorbeugen. Unter diesem Motto arbeitet die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Zukunft eG aktuell mit dem Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der Fachhochschule Erfurt im Rahmen des HeatResilientCity II-Forschungsprojekts zusammen.

Wie verändert sich das Wohlbefinden und Verhalten bei Hitze? Welche Angebote im Gebäude und im Wohnumfeld können in Hitzephasen hilfreich sein? Können gemeinschaftlich genutzte Räume, vor allem in den Erdgeschossen, als kühle Rückzugsorte dienen? Rund 23% der 233 befragten Haushalte der Eislebener Straße 3 und 5 beteiligten sich an der von Anfang August bis Anfang September diesen Jahres unter Leitung des Instituts ISP der Fachhochschule Erfurt durchgeführten Bewohnerbefragung unter dem Titel „Lebensqualität trotz Hitze – wie geht das?“. Die Ergebnisse liegen nun vor und liefern wertvolle Hinweise für die Lebensqualität und das gemeinsame Miteinander im Sommer.

„Auch wenn es dieses Jahr nur eine kurze Hitzephase gab, ist das Thema in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt, auch Bewohnerinnen und Bewohner tauschen sich darüber aus“, so Silke Wuttke, Sprecherin des Vorstands des WBG Zukunft eG. Mit der Befragung wurden überwiegend Personen ab 71 Jahren erreicht (58%). Die Teilnehmenden wohnen zu 35% bereits seit über 30 Jahren in der Eislebener Straße 3 oder 5; gleichzeitig beteiligten sich ähnlich viele Haushalte mit einer Mietdauer bis zu 10 Jahren (31%). Im Sommer langanhaltende Hitze wird von etwa 70% der Bewohnerinnen und Bewohner in der Wohnung tagsüber und nachts belastend empfunden, wohingegen die Belastung im Wohnumfeld geringer ausfällt.

Zentrales Ergebnis der Befragung ist auch das veränderte Verhalten der Bewohner*innen bei Hitze, das sich vor allem in der reduzierten körperlichen Aktivität, der zeitlichen Verlegung von Aktivitäten auf andere Tageszeiten sowie dem Aufsuchen von schattigen Orten äußert. Die Bewohner*innen benötigen jedoch in der Regel keine stärkere Unterstützung im Alltag, z.B. beim Einkaufen oder in der Pflege.

Auch der Gemeinschaftsraum in der Eislebener Straße 3 war ein Schwerpunkt in der Befragung. Bisher war der Gemeinschaftsraum für Feierlichkeiten aller Art anmietbar sowie für verschiedene Aktionen und Kurse nutzbar. In den letzten Monaten wurde der Gemeinschaftsraum umgestaltet und am 09.11.2021 feierlich eingeweiht. Die Befragung zeigte, dass die Hälfte der Befragten den Raum bereits nutzte und auch zukünftig, vor allem für Feiern, nutzen möchte. Bisher wurde der Gemeinschaftsraum nicht als kühler Rückzugsort wahrgenommen, jedoch haben 20% der Teilnehmenden Interesse an solch einer Nutzung. Weitere Wünsche für den Gemeinschaftsraum stellen Maßnahmen, die das Aufheizen verhindern, Informationsmaterial sowie gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten, vor allem in Form von Sportangeboten, regelmäßigen Kaffeenachmittagen sowie Spiel- und Lesemöglichkeiten, dar. „Wir sind bereits dabei, abgefragte Angebote aus dem Fragebogen umzusetzen. So haben wir besonders die Rollläden im Gemeinschaftsraum im Zuge des Umbaus geprüft und sind dem Wunsch, den Raum auch ohne Anmietung oder Aktionen zu nutzen, nachgekommen. Der Schlüssel kann nun im Servicebüro ausgeliehen werden“, erläutert Frau Janin Herz, Teamleiterin Wohnungswirtschaft - Wohnen aktiv.

Wünsche für das Wohnumfeld und den Stadtteil gehen vor allem in Richtung einer verstärkten Begrünung, z.B. durch Bäume, Beete und Fassadenbegrünung, sowie Verschattung. „Wie solche Maßnahmen umgesetzt werden können, ist auch von der Klärung der Pflege abhängig. Hier ist eine Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner gefragt“, betont Herr Sven Lorber, Teamleiter Wohnungswirtschaft - Technik/Großmaßnahmen. „Wie Ideen aus der Befragung am Johannesplatz nun konkret umgesetzt werden können, wie sich Bewohnerinnen und Bewohner selbst beteiligen und welche Aufgaben am wichtigsten sind, soll in einem Bewohner-workshop Anfang 2022 erörtert und vertieft werden“, erklären Frau Prof. Heidi Sinning und Frau Renate Hermann vom ISP.

Die Ergebnisse der Befragung werden Anfang 2022 in der ISP-Schriftenreihe veröffentlicht und fließen in zukünftige Planungen und Überlegungen der WBG Zukunft eG ein.

Kontakt an der Fachhochschule Erfurt:
Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der Fachhochschule Erfurt
Professorin Dr.-Ing. Heidi Sinning
Tel. 0173/ 260 9051
E-Mail: sinning@fh-erfurt.de

Renate Hermann
Telefon: 0361 6700-3401
E-Mail: renate.hermann@fh-erfurt.de

Kontakt der WBG Zukunft:
WBG Zukunft eG
Silke Wuttke
Sprecherin des Vorstandes
E-Mail: silke.wuttke@wbg-zukunft.de

Hintergrund:
Das Projekt „HeatResilientCity“ (Hitzeresiliente Stadt- und Quartiersentwicklung in Großstädten am Beispiel von Dresden und Erfurt) ist Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2022.
Es wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Vorhaben der „Leitinitiative Zukunftsstadt“ im Themenbereich „Klimaresilienz durch Handeln in Stadt und Region“ für die Laufzeit bis Januar 2021 mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Seit Anfang 2021 läuft das Folgeprojekt „HeatResilientCity II: Hitzeanpassung urbaner Gebäude- und Siedlungsstrukturtypen - Akteursorientierte Umsetzungsbegleitung zur Stärkung der Klimaresilienz und Gesundheitsvorsorge“ zur Verstetigung und Vertiefung des Themas. Wissenschaftliche Partner sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden, das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt (ISP), das Institut für Hydrologie und Meteorologie der Technischen Universität Dresden und die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Praxispartner sind das Umwelt- und Naturschutzamt der Landeshauptstadt Erfurt, das Umweltamt der Landeshauptstadt Dresden, die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden und seit 2021 auch die Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft Zukunft eG.