OeWeHo - Grundlagenentwicklung für serielle und modulare Holzbausysteme unter besonderer Berücksichtigung ökobilanzierter Wertschöpfungsketten

Kurzbeschreibung
Das Forschungsprojekt OeWeHo befasst sich mit der konzeptionellen Entwicklung und empirischen Erprobung eines modularen, seriell anwendbaren Holzbausystems für den mehrgeschossigen Wohnungsbau im Freistaat Thüringen. Vor dem Hintergrund eines kontinuierlich steigenden Bedarfs an klimaverträglichen und zugleich wirtschaftlich tragfähigen Bauweisen wird der Einsatz von Holzkonstruktionen im mehrgeschossigen Wohnungsbau bislang nur in geringem Maße realisiert. Das Projekt adressiert diese Forschungslücke und verfolgt einen integrativen Ansatz, der konsequent auf den bestehenden regionalen Wertschöpfungsstrukturen des Thüringer Waldes aufbaut.
Ziele und Vorgaben
Primäres Projektziel ist die signifikante Reduktion von Bauzeit und Treibhauspotenzial im Vergleich zu konventionellen Bauweisen. Darüber hinaus zielt das Vorhaben auf die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten sowie auf die strukturelle Förderung der Wirtschaft im ländlich geprägten Raum des Thüringer Waldes ab, insbesondere durch die systematische Einbindung lokaler Handwerks- und Industrieakteure. Ein weiteres zentrales Projektziel ist die Konzeption eines rückbau- und recyclingoptimierten Bausystems, das durch serielle Fertigungsprozesse eine dauerhafte Reduktion der Herstellungskosten ermöglicht.
Innovationsansatz
Ein zentrales Merkmal des OeWeHo-Systems ist der Fokus auf den konsequenten Verzicht von leim- und metallbasierten Verbindungstechniken, die durch rein holzbasierte Fügeverfahren ersetzt werden sollen. Dieser Ansatz wird ergänzt durch den Einsatz regional verfügbarer Holzqualitäten sowie durch die Optimierung der Rückbau- und Recyclingfähigkeit sämtlicher Systemkomponenten. Die Systementwicklung folgt einem iterativ-stufenweisen Vorgehen, das vom Prototypenstadium über die bauphysikalische Bewertung einzelner Bauteilmodelle bis hin zur Validierung im Rahmen eines realen Bauvorhabens reicht.
Aufgabenfelder
Die Projektarbeit gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauenden Untersuchungs- und Entwicklungsphasen. Zunächst erfolgt eine systematische Bestandsanalyse der regionalen Ausgangsbedingungen, umfassend Rohstoffverfügbarkeit, Fachkräftepotenziale, vorhandene Produktionskapazitäten sowie planerische Rahmenbedingungen und quantifizierte Neubaubedarfe. Auf dieser Grundlage werden Prototypen des Bausystems entwickelt und einer bauphysikalischen Qualitätsprüfung unterzogen. Den Abschluss des Vorhabens bildet die anwendungsbezogene Erprobung des Gesamtsystems in einem realen Bauprojekt, begleitet von einer integrierten Bewertung der ökologischen und ökonomischen Systemwirkungen.
Wissenschaftlicher Beitrag
OeWeHo leistet einen substanziellen wissenschaftlichen Beitrag zur methodischen Bewertung ökobilanzierter Wertschöpfungsketten im Kontext des regionalen Holzbaus. Über die projektspezifischen Ergebnisse hinaus wird ein verallgemeinerbares Referenzmodell für serielle Holzbauweisen erarbeitet, das zur Transformation der Thüringer Bauwirtschaft in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit beitragen und als wissenschaftliche Grundlage für übertragbare Anwendungen in vergleichbaren Regionen dienen soll.
Weiteres
Das Forschungsvorhaben OeWeHo wird durch ein interdisziplinäres Konsortium aus Wissenschaft, Handwerk und Wohnungswirtschaft getragen. Die Fachhochschule Erfurt übernimmt dabei die wissenschaftliche Projektleitung und verantwortet über das Institut für Bauphysikalische Qualitätssicherung (IBQS) die bauphysikalische Forschung und Qualitätssicherung. Die Zimmerei Hunstock sowie die Eco-Timber GmbH & Co. KG bringen ihre handwerkliche und holzwirtschaftliche Expertise in die Entwicklung und praktische Erprobung der Systemkomponenten ein und gewährleisten die Anbindung an die regionale Wertschöpfungskette des Thüringer Waldes. Die Ilmenauer Wohnungs- und Gebäudegesellschaft stellt als wohnungswirtschaftlicher Partner den anwendungsbezogenen Rahmen für die Validierung des Systems im realen Bauvorhaben sicher. Die enge Verzahnung wissenschaftlicher, handwerklicher und wohnungswirtschaftlicher Kompetenzen bildet die strukturelle Grundlage für den transdisziplinären Charakter des Projekts und ermöglicht eine praxisnahe Überführung der Forschungsergebnisse in die Anwendung.


