University of Applied Sciences Erfurt - Transport and Communications

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Transport and Communications

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Tag 1, Wernigerode: Harzer Schmalspurbahnen

Als erster Programmpunkt für der Exkursion stand ein Besuch bei der „Harzer Schmalspurbahnen GmbH“ (HSB) in Wernigerode an. Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH betreibt das größte zusammenhängende Schmalspurnetz in Deutschland. Dieses erstreckt sich von Wernigerode am nördlichen Ende des Harzes, bis Nordhausen in Thüringen und in östlicher Richtung bis zur Weltkulturerbestadt Quedlinburg. Weiterhin betreibt die Harzer Schmalspurbahn, als eines der letzten Eisenbahnverkehrsunternehmen, täglich dampflokbespannte Züge. Den mit Abstand größten Bekanntheitsgrad hat die „Brockenbahn“, die als Teilstrecke der Harzer Schmalspurbahnen von Drei Annen Hohne bis auf den Gipfel des Brockens verläuft. Unser Exkursionstag begann mit einer Begrüßung durch Frau Neumann, leitende Mitarbeiterin und Absolventin der Fachhochschule Erfurt. Es folgte eine kurze Vorstellung des Unternehmens, der betriebenen Strecke und des eingesetzten Materials. Als technische Besonderheit wurde besonders auf das seit kurzem bei der HSB eingesetzte Antikollisionssystem in den Triebfahrzeugen eingegangen. Dieses konnte im Anschluss auch bei einer Führerstandsmitfahrten auf einer Dampflokomotive besichtigt und probeweise getestet werden. Ein weiterer Termin war in dem örtlichen elektronischen Stellwerk in Wernigerode gesetzt. Das dortige ESTW der Firma Siemens überwacht und steuert den Zugverkehr auf der verhältnismäßig stark ausgelasteten Strecke von Wernigerode über Drei Annen Hohne zum Brocken. Weiterhin ist der dort eingesetzte Fahrdienstleiter als Zugleiter für die Strecke von Drei Annen Hohne bis Eisfelder Talmühle verantwortlich. Nach einem kurzen Besuch in die Lokleitung und zum Waggonwerk am Stadtrand, stand das Betriebswerk der HSB im Stadtteil Wernigerode-Westerntor auf dem Programm. Dort wurden uns die Werstätten, die zur Wartung und Instandhaltung der Schienenfahrzeuge dienen, gezeigt. Im Betriebswerk Wernigerode-Westerntor ist es noch möglich, mehr als hundert Jahre alte Dampflokomotiven fachmännisch zu untersuchen, zu versorgen und zu reparieren. Deutlich sichtbar waren die beengten Raumverhältnisse, die dem heutigen Arbeitsanforderungen kaum noch entsprechen. Der Bau einer größeren Wartungshalle ist bereits in Aussicht. Zum Tagesabschluss war es möglich, bei einer regulären Fahrt der HSB von Wernigerode nach Drei Annen Hohne und zurück mitfahren zu können. Neben der regulären Fahrt in den Personenwagen wurde es abschnittsweise sogar möglich gemacht, im Führerstand der Dampflokomotive mitzufahren. Hier konnte man Dampflokführer und -heizer bei ihrer schweißtreibenden Arbeit beiwohnen. Ein imposanter Eindruck, welcher den Exkursionstag gelungen beendet

Tag 2, Halle/Saale: Neubau ZBA, HAVAG

Der zweite Tag unserer Exkursion stand ganz im Zeichen der Stadt Halle. Wir trafen uns mit Herrn Schrauber am derzeit im Umbau befindlichen Hauptbahnhof. Nach einer kurzen Besichtigung des dortigen Besucherzentrums und der Ausstattung mit Helm und Warnwesten, gingen wir in das nahgelegene Büro des Bauprojektes „Umbau Halle“. Dort erwartete uns Herr Ebersbach, Teamleiter Knoten Halle und Zugbildungsanlage, und stellte uns das Projekt Umbau Knoten Halle und Bau der Zugbildungsanlage vor. Ein Schwerpunkt, der sich auch in einer anschließenden Diskussion wiederfand, war die Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnbundesamt. Nach dieser umfangreichen Einführung fuhren wir auf die Baustelle. Auf Grund eines Unfalls an einem Bahnübergang stand kurzzeitig die Baustellenbesichtigung auf der Kippe. Dankenswerterweise übernahm Hr. Ebersbach kurzfristig die Führung. So bekamen wir die Anlage vom Projektleiter direkt vor Ort vorgestellt. Zufälligerweise führte Siemens an unserem Besichtigungstermin Arbeiten am elektronischen Stellwerk (ESTW) durch, sodass wir aus erster Hand von einem Siemens Techniker das Stellwerk erläutert bekamen.

Nach einer Mittagspause besuchten wir die Hauptwerkstatt der Halleschen Verkehrsbetriebe in der Freiimfelder Straße. Dort erwartet uns Herr Jandt, Abteilungsleiter Arbeitsvorbereitung. Herr Jahndt ging zunächst auf die Thematik Straßenbahn näher ein; Eisen- und Straßenbahn sind beides schienengebundene Verkehrsmittel, unterscheiden sich aber hinsichtlich gesetzlicher Reglungen und ihres Betriebes grundlegend. Im Gespräch mit Herr Jandt konnten wir in die Welt der „leichten Schiene“ voll eintauchen und erfahren, wie das ganzheitliche System „Straßenbahn“ in Halle funktioniert. Der zweite Teil konzentrierte sich dann auf die Besichtigung der Hauptwerkstatt. Hier wurden uns verschiedenste Bauteile und Arbeitsstände gezeigt, auch bekamen wir unterschiedliche Fahrzeuge zu sehen. Nach einem dreistündigen Besuch bei der HAVAG bedankten wir uns bei Herr Jandt und verabschiedeten uns.

Tag 3, Dessau: Bauhaus, Bauhausbauten, Fahrzeuginstandhaltung

Am Mittwoch wurden in Dessau einige Kenntnisse und Gedanken zum Bauhaus durch unseren Begleiter, Herrn Sommer vermittelt. Die Künstlervereinigung und Architektenschule weilte von 1925 bis 1932 in der Stadt. Bei einem Spaziergang vom Bahnhof über das Bauhausgebäude Dessau hin zu den Meisterhäusern wurde das Wirken des Bauhauses anhand der Gebäude und Planungskonzepte ersichtlich, wenngleich dieses schwer nachvollziehbar gewesen ist, da heute Bauhaus-Elemente im Alltag einen festen Platz haben, der Kontrast zur Zeit der Weimarer Republik und Vorkriegszeit fehlt und damit Inhalte wie modulares Bauen und das Zusammengehen von (Kunst)Handwerk und Industrie nicht unbedingt leicht verständlich sind.

Nach dem kulturgeprägten Vormittag mit Besichtigung der Bauhaus-Meisterhäuser und der Bauhaus-Universität in der Dessauer Innenstadt, ging es in das E-Lok Ausbesserungswerk der DB Fahrzeuginstandhaltung, um die umfangreichen Instandhaltungs- und Umbauarbeiten an E-Loks verschiedener EVU zu besichtigen. Dazu führte uns Herr Nikoleit zu Beginn ins Innere einer ausgeschlachteten Lokomotive der BR 152, welche interessante Fakten zur Geschichte des „RAW Dessau“ bereithielt. Von den Anfängen in den 1920er Jahren bis zur Gründung der DB-Sparte Fahrzeuginstandhaltung 2001 waren dort Meilensteine und Entwicklungen des Werks dargestellt.Danach ging es weiter mit einem Rundgang durch die gut gefüllten Werkshallen und das Testgelände. Eine bereits neugebaute Werkshalle zur Entlastung des alten, aus dem Jahre 1929 stammenden Gebäudes konnten wir leider nur von außen sehen. Herr Nikoleit erzählte uns einiges zu Radsätzen, Elektromotoren, Stromabnehmern, Hauptuntersuchungen, Fahrzeugkomponenten, Stromsystemen und zu vielen anderen Themen, welche die Werkstätigen dort beschäftigen. Dabei beeindrucken nicht nur die Vielzahl an Baureihen, welche dort im Laufe der Zeit repariert und aufgearbeitet werden, sondern auch das Leistungsspektrum des Personals. Vom Abdrehen eines Radsatzes bis hin zur komplexen Fehleranalyse in der Leistungselektronik wird dort alles unter einem Dach erledigt. Einen schönen Rückbezug zu unseren Bauhausaktivitäten am Vormittag bildeten die Erläuterungen von Herrn Nikoleit zur baulichen Beschaffenheit und Sonderstellung der großen Werkhalle. Als erster Industriebau nach Bauhauskonzeption steht das Gebäude unter besonderem Schutz und darf nicht verändert – erweitert oder etwa gedämmt – werden, wenn dadurch die Außenfassade ihre Charakteristika verliert. Im Innenbereich erkennt man dieses Wirken anhand der speziellen, gestaffelt geneigten Dachkonstruktion, welche eine maximale Sonnenlichtdurchflutung der Arbeitshallen zulässt.

Tag 4, Lutherstadt Wittenberg: Chemiewerk SKW Piesteritz, Verkehrsplanung „Reformationssommer“

Am Donnerstag fuhren wir über Lutherstadt Wittenberg in den Stadtteil Piesteritz. Vom Bahnhof abgeholt ging es direkt in das Stickstoffwerk Piesteritz. Zuerst konnten wir das werkseigene Gesundheitszentrum besichtigen, bevor man uns in das Ausbildungszentrum führte. Im dortigen Hörsaal haben wir einen Vortrag über das Stickstoffwerk, der Produktbreite und Synergiemöglichkeiten durch die unterschiedlichen Unternehmen vor Ort gehört. Danach wurde mit uns eine Führung in einem Transporter über das Gelände durchgeführt. Bei der Rundfahrt wurden uns auch Verladeprozesse gezeigt, dabei wurde besonders deutlich, dass viele dieser Vorgänge vollautomatisch und ohne den Personal ablaufen. Danach schauten wir uns noch die Logistikabteilung mit den Rangierlokomotiven und dem Stellwerk an.
Nach dem Mittagessen in der Kantine auf dem Gelände wurden wir zur Tomatenplantage, die genau neben dem Chemiestandort stand und mit Stickstoff sowie CO2 aus dem Werk versorgt und gedüngt wird, gefahren. An der Plantage konnte sich unsere Gruppe mit frischen Tomaten aus dem Tomatenautomaten bedienen.

Danach besichtigten wir individuell die Wittenberger Innenstadt, um uns dann mit der Managementorganisation des großen Festwochenendes zum Reformationsjubiläum zu treffen. Das große Festwochenende auf den südlich der Stadt gelegenen Elbwiesen ist eingebettet in den sogenannten Reformationssommer 2017, einer Dachbezeichnung für eine Reihe religiöser und kultureller Veranstaltungen. Während des kurzen Stadtspazierganges konnten bereits erste Eindrücke der bevorstehenden Feierlichkeiten gewonnen werden. Organisiert wird das Feierwochenende am 27. Und 28. Mai vom „Reformationsjubiläum 2017 e.V.“, oder auch kurz, „r2017“. In einer alten Schule in der Wittenberger Neustraße 10b wurden wir von Herrn Engel, Leiter der Verkehrsplanung in der Abteilung Infrastruktur, über die bevorstehenden logistischen Aufgaben und damit verbundene Lösungskonzepte unterrichtet. Für die Feierlichkeiten auf den rund 400.000 qm großen Elbwiesen wurden bis zu 300.000 Personen erwartet. Herr Engel teilte uns mit, dass man mittlerweile nur noch von ca. 200.000 Teilnehmern ausgehen werde, da die „Kirchentagen auf dem Weg“ das Interesse verteilen werden. Das Groß der Besucher wurde für den Sonntag, den Tag des Festgottesdienstes, erwartet. Um diese Menschen, die mit dem MIV, Reisebussen oder einem eigens eingerichteten Sonderkonzept für den Schienenverkehr ankommen werden, zu den Elbwiesen zu befördern, sind Pendelbusdienste angedacht, die zwischen den Parkplätzen und den Elbwiesen verkehren; Bahnreisende werden direkt zu den Elbwiesen befördert (Bahnhof Pratau) oder laufen vom Wittenberger Hauptbahnhof aus über die für den MIV gesperrte Elbbrücke zum Festgottesdienst. Schätzungen geben einen Pkw-Parkplatzbedarf von rund 18.000 Stück vor, für 2.250 Busse sind ebenso Flächen vorzuhalten. Im Zweifelsfall war sogar eine Sperrung der A9 zwischen Coswig und Dessau Ost zu Parkzwecken erwogen worden. Für den Schienenverkehr haben die Deutsche Bahn AG und der r2017 e.V. ein eigenes Bedienkonzept entwickelt. Sechs Shuttlelinien binden die umliegenden Kirchentagsstädte und Dresden an Wittenberg an. Der ICE-Verkehr über die Lutherstadt wird weitestgehend umgeleitet oder verkehrt ohne Halt. Die Shuttlelinien verkehrten von Leipzig und Berlin aus im zehn-Minuten-Takt, die anderen Städte Magdeburg, Halle, Dresden, Erfurt und Jena wurden mit einem geringeren Takt bedient. Hauptproblem der Verkehrsplanung ist die Gefahr eines extremen Verkehrsaufkommens in einem sehr kurzen Zeitintervall, etwa die Abreise von mehreren 10.000 Gästen nach Ende des Festgottesdienstes. Zu diesem Zwecke soll durch die Staffelung des Angebotes eine Entzerrung des Verkehrsaufkommens bewirkt werden. Die Menschen sollen mit Angeboten wie etwa der „Taize-Lichternacht“, welche am Vorabend stattfindet, dazu verleitet werden, schon früher an- oder später abzureisen. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass die Bewältigung der Verkehrsströme sehr gut vonstatten ging, lediglich eine von der Bundeswehr errichtete Pontonbrücke, welche als Nebenabfluss von den Festwiesen in die Stadt angedacht war, wurde wohl als Sehenswürdigkeit für sich erachtet und war zeitweise überfrequentiert.

Tag 5, Leuna, Kötzschau: Leuna-Werke; Eisenbahnmuseum

Am Abschlusstag unserer Exkursionswoche sind wir mit der Straßenbahn von Bad Dürrenberg nach Leuna zu den Leuna-Werken gefahren. Unsere Führung vor Ort übernahm der Betreiber des Chemieparks: InfraLeuna. Als erstes ging es in das Besucherzentrum, wo uns kurz erklärt wurde, wie der Park aufgebaut ist und auf welcher Größe er sich erstreckt.Nach einer kleinen Führung über den gesamten Standort mit einem Kleinbus wurden wir an die Abteilung Logistik übergeben. Dort hielt der Eisenbahnbetriebsleiter einen Vortrag über InfraLeuna und darüber hinaus wurde genauer auf die Logistik und den Eisenbahnverkehr eingegangen. Nachdem wir mit einem Mittagessen versorgt wurden, zeigte uns der Abteilungsleiter Betrieb die Räumlichkeiten der Fahrdienstleiter und die dazugehörigen elektronischen Stellwerke. Als letzten Punkt des Tages ging es an die Gleise, an denen uns gezeigt wurde, wie hier das Prinzip einer Werksbahn umgesetzt wurde.Zum Abschluss haben wir uns den neuen Anschluss der Werksbahn an das nationale Eisenbahnnetz im Bahnhof Leuna Werke Nord, der zu der Zeit noch im Bau war, angeschaut.Den Ausklang bildete die Fahrt mit dem Kleinbus von Leuna nach Kötzschau ins Eisenbahnmuseum. In den liebevoll wieder hergerichteten Räumen des alten Bahnhofsgebäudes wurde detailreich die Geschichte der anliegenden KBS 582 Leipzig Hbf – Großkorbetha (historisch Corbetha) skizziert. Die ausladende Sammlung historischer Betriebsdokumente, Schilder und Plakate und technischer Instrumentarien des Bahnbetriebs – darunter auch ein altes, mechanisches Stellwerk aus dem ehemaligen Betriebsfeld Leipzig-Leutzsch – bildeten einen runden Abschluss unserer Exkursionswoche. Gekrönt wurde dies noch durch eine Draisinenfahrt auf dem wenige Meter messenden Gleisabschnitt im Hinterhof des Museums.

Text: Björn Burhenne, Leif Irmscher, Marvin Novack, Simon Wimmer, Jakob Wittmann

Bildnachweise: J. Wittmann, S. Sommer


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